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Im Kino: "Tage des Zorns":Im Halbdunkel

Der Noir-Thriller "Tage des Zorns" zeigt Mads Mikkelsen in Action im dänischen Widerstand. Der Bösewicht des letzten Bond-Films gerät dabei in ein Intrigen-Geflecht von Gut und Böse.

Lange, ellenlange Schatten, richtige Film-noir-Schatten. Höhlenartige Räume, die nur schlaglichtartig beleuchtet sind. Gesichter im Gegenlicht, die maskenhaft undurchdringlich bleiben. Extreme Großaufnahmen: Eine Zigarette wird entzündet, ein Schlips gebunden, eine Pistole entsichert und dann die Bildschärfe von der Pistole auf die Augen des Täters verlagert.

Citron (Mads Mikkelsen) und Flame (Thure Lindhardt): Sie liquidieren Kollaborateure und gehen dabei mit kühler Präzision ans Werk.

(Foto: Screenshot: www.tagedeszorns-derfilm.de)

Zwei dänische Widerstandskämpfer, die ihre Mission wie Auftragskiller eines Gangstermovies erledigen, im Kopenhagen des Jahres 1944, die durch labyrinthische Gänge eilen und Kollaborateure liquidieren.

Regisseur Ole Christian Madsen taucht alles in ein Halbdunkel, Orte und Figuren, Intrigen und Motive. Das hat streckenweise suggestive Kraft, berührt aber nicht wirklich, weil die Figuren scherenschnitthaft flach bleiben, kein charakterlich-dramatisches Volumen gewinnen.

In Dänemark erwies sich der Film, der auf "wahren Begebenheiten" beruht und im Original "Flammen & Citronen" (das sind die Decknamen der beiden Helden) heißt, als Überraschungshit (700.000 Zuschauer).

Versuch einer Vergangenheitsbewältigung

Ein Erfolg, für den es zwei Gründe gibt: Es ist der erste dänische Film, der sich mit dem heiklen, aus dem gesellschaftlichen Diskurs weitgehend verdrängten Thema von Kollaboration und Widerstand befasst und zwei als "Helden des Widerstands" verehrte Gestalten ins Zentrum stellt. Und er tut dies in den bewährten Mustern eines actiongeladenen Genrefilms.

"Tage des Zorns" ist der Versuch einer Vergangenheitsbewältigung im Gewand eines Noir-Thrillers, ein merkwürdiger Mix aus politisch-moralischer Gewissenserforschung und Genrekino.

Gewissenserforschung: Zu Beginn ist eine beinahe flüsternde Stimme zu hören: "Erinnerst du dich an den 9. April, als sie kamen und aufmarschierten - deutsche Wehrmacht, Gestapo, SS, Nazis, dänische Nazis? Wo warst du damals, was dachtest du?"

Eine Stimme, die ins Gewissen redet, und die Bilder dazu sind Schwarzweiß-Archivaufnahmen vom Einmarsch der deutschen Truppen am 9. April 1940 in Kopenhagen, auch Dokumente vom Aufmarsch dänischer Nazihorden.

Während eine Mehrheit der Bevölkerung sich mit der Besatzungsmacht arrangiert, haben sich Flame (Thure Lindhardt) und Citron (Mads Mikkelsen) einer patriotisch-antifaschistischen Widerstandsgruppe angeschlossen. Sie liquidieren Kollaborateure und gehen dabei mit kühler Präzision ans Werk.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum "Tage des Zorns" den anfangs groß ausgestellten politisch-moralischen Ambitionen nicht gerecht wird.