Im Interview: Regisseur Jonathan Demme "Unter der Schrecklichkeit eines Hannibal Lecter steckt auch menschlicher Anstand."

Jonathan Demme äußert sich über Weltbedrohungen, das Recht auf Remakes und die Menschen in jenem virtuellen Raum, den man Politik nennt.

Er ist der Mann, der Hannibal Lecter groß rausbrachte, in "Das Schweigen der Lämmer". Mit "Manchurian Kandidat" zeigt er, dass er immer noch einer der aufregendsten Filmemacher in L.A. ist.

Jonathan Demme "Der Ausgangspunkt war: Wer stellt heute eine Weltbedrohung dar?"

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SZ: Multinationale Konzerne, die rechtskonservative Politiker steuern, eine Regierung auf Kriegskurs - Ihr Film wirkt wie ein Kommentar zur politischen Lage der USA.

Jonathan Demme: Das kann ich nicht bestreiten. Aber Daniel Pyne schrieb sein Drehbuch zu einem Zeitpunkt, als der Irakkrieg und seine Profiteure noch nicht in den Schlagzeilen präsent waren. Der Ausgangspunkt war: Wer stellt heute eine Weltbedrohung dar? In den Fünfzigern, als Richard Condons Roman entstand, war das vielleicht der Kommunismus, heute sind es Großkonzerne, die internationale Konflikte schüren ... Ich dachte, wir wären der Realität einen Schritt voraus. Aber nun sehe ich, dass wir uns bestenfalls auf gleicher Höhe bewegen. Als die Vorkommnisse von Abu Ghraib publik wurden, steckten wir gerade im Schnitt. Und wovon handelten die Szenen, die wir zu dem Zeitpunkt bearbeiteten? Von Gefangenen, die man mit Drogen vollpumpte und zwang, schreckliche Sachen zu tun. Nur Anspielungen auf reale Politiker wollte ich vermeiden. Aber als ich dann fertige Szenen sah, wurden solche Parallelen überdeutlich. Ein Satz wie "Sie sind der erste Vizepräsident der USA, der voll und ganz einer anderen Interessensgruppe angehört." passt doch genau auf Dick Cheney.