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Holocaust-Comic:Sprechblasen des Bösen

Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, nun liegt es als Comic-Roman vor. Haupt- und Realschüler sollen damit Geschichte lernen. Schlechter Scherz - oder pädagogisch wertvoll?

Von Franziska Brüning

"Ich bin extra aus den Vereinigten Staaten gekommen", sagt die grauhaarige alte Frau Esther in einer Sprechblase, während ihr Enkel Daniel auf seinem quietschgelben Skateboard, das er gerade zu seiner Bar Mizwa bekommen hat, durch die Wohnung saust. Esther reist nicht aus Vergnügen nach Europa. Sie ist auf der Suche nach den niederländischen Bauern, die sie als zwölfjähriges, jüdisches Mädchen, das mit seinen Eltern aus Deutschland geflüchtet war, vor den Nationalsozialisten versteckten.

Der Comic-Hitler.

(Foto: Foto: Anne Frank Zentrum Berlin)

"Die Suche" lautet dann auch der Titel dieser Graphic Novel - einem gezeichneten Roman - , die 2006 vom Anne-Frank-Haus in Amsterdam entwickelt und nun vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin für den Geschichtsunterricht in deutschen Schulen aufbereitet worden ist.

Bislang ist "Die Suche" nur in holländischen Schulen gelesen worden. Der pädagogische Comic, der von einer internationalen Expertengruppe erarbeitet wurde - darunter auch Vertreter vom Haus der Wannseekonferenz und von der Gedenkstätte in Auschwitz - ist die Fortsetzung der Geschichte "Die Entdeckung" (2003), die das Schicksal der niederländischen Nachbarn Esthers während des Zweiten Weltkrieges nachzeichnet.

Da scheiden sich die Geister

Mit Esthers Geschichte soll nun der Holocaust all jenen Mittelstufenschülern aus der deutschen Haupt- und Realschule sowie dem Gymnasium nahegebracht werden, die nicht so gerne lesen. Dazu ist ein Arbeitsheft entwickelt worden, in dem mit Multiple-Choice-Fragen und Begriffen, die bestimmten Bildern aus dem Comic zugeordnet werden sollen, das erlernte Wissen überprüft werden kann. In seiner farbenfrohen Aufmachung mit vielen Foto-Comic-Collagen und bunten Sprechblasen erinnert das ganze an Kinder- und Jugendmagazine. An insgesamt 15 Schulen sollen "Die Suche" und das dazugehörige Arbeitsmaterial bis zum Ende des Schuljahrs getestet werden.

"Wir haben aus Kostengründen in Deutschland nur ein Materialheft, das sich am Niveau der Realschule orientiert. Ob sich nun Gymnasiasten unterfordert und Hauptschüler überfordert fühlen werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen", erklärt Patrick Siegele vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin, der an dem pädagogischen Konzept mitgearbeitet hat.

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