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Hertzkammer:Beseelte Fusionen

Breakbeat-Innovator LTJ Bukem im Blitz-Club

Von Martin Pfnür

Als Danny Williamson alias LTJ Bukem im Jahr 2000 sein Debütalbum "Journey Inwards" veröffentlichte, war das so etwas wie die perfekte Verdichtung eines Sounds, mit dem sich der britische Produzent und DJ nicht nur Freunde machte. So führte Williamson als einer der ersten zusammen, was für so manchen Puristen einfach nicht zusammengehen durfte. Auf der einen Seite: die stark erhöhte Beats-per-Minute-Zahl und die charakteristisch ratternd synkopierte Breakbeat-Rhythmik, über die sich der eher harsche Drum and Bass aus dem Ballertechno der ersten Stunde heraus entwickelte. Auf der anderen Seite: extrasmoothe Lounge- und Downtempo-Atmosphären voller soul- und funkinfizierter Fusion-Jazz-Anleihen, die in den frühen Nullerjahren so gut wie jede Kaffeehaus-Ketten-Filiale beschallten, und womöglich auch deshalb in der recht hermetischen Drum-and-Bass-Gemeinde auf maximale Ablehnung stießen.

Dabei war der als Pflegekind in einer Baptisten-Familie aufgewachsene und klassisch am Klavier ausgebildete Williamson schon seit jeher auf ganz eigenen Wegen unterwegs. Bereits auf seinen Produktionen in den frühen Neunzigern schien der ausgeprägte Hang zum Ambienten und Atmosphärischen durch, mit dem er sich mitsamt der Produzenten und MCs auf seinem Eigenlabel "Good Looking Records" vom Großteil der Drum-and-Bass-Szene abgrenzte - um über die Jahre schließlich doch zu einer immens inspirierenden Instanz zu werden. Selbst produziert hat Williams zuletzt zwar kaum mehr etwas, als DJ ist der 51-Jährige jedoch bis heute aktiv, wenn auch nicht mehr so ausgiebig. Eine rare Gelegenheit also, einen wesentlichen Innovator seines Fachs bei der Arbeit zu erleben. An Breakbeats und souliger Tiefe wird es nicht mangeln.

LTJ Bukem, Sonntag, 9. Juni, 23 Uhr, Blitz Club, Museumsinsel 1

© SZ vom 06.06.2019

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