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Hape Kerkeling wirbt für Volkswagen:"VW zahlt mir den Führerschein"

Mein Blog, mein Führerschein, mein Auto: Hape Kerkeling ist auch im Internet erfolgreich. Als Horst Schlämmer tummelt er sich im Weblog des Volkswagenkonzerns.

Es gibt nicht wenige Kommunikationsberater, die gerade einen neuen, angeblich wichtigen Trend von Podiumsdiskussion zu PR-Seminar und zurück tragen: Weblogs, so ihre Argumentation, sind ein unerlässliches Instrument für die Außendarstellung eines Unternehmens. Ein regelmäßig befülltes Online-Tagebuch erzeuge Bindungen an die Firma und sorge für ein hohes Maß an Transparenz.

hape kerkeling schlämmer

Will keinen Kommentar abgeben: Hape Kerkeling als Horst Schlemmer.

(Foto: Foto: dpa)

Der Volkswagen-Konzern hat in dieser Woche bewiesen: Das Gegenteil ist richtig. Beinahe vier Wochen lang haben die Autobauer ganz intransparent verschwiegen, dass sie den Komiker Hape Kerkeling dafür bezahlen, dass er als Horst Schlämmer im Internet ein Weblog für VW befüllt - und damit große Erfolge erzielt.

Unter der Adresse schlaemmerblog.tv erzählt Kerkelings Kunstfigur seit Januar von seinem Versuch, eine amtliche Fahrerlaubnis zu erwerben: "Ich mach jetzt Führerschein", lautet die Überschrift der Webseite, auf der der von Kerkeling gespielte stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts in regelmäßigen Abständen kleine Filme veröffentlicht, in denen er eine Theoriestunde der Fahrschule besucht, einen Gebrauchtwagen kaufen will und gemeinsam mit dem Fahrlehrer zum ersten Mal im Fahrschulwagen sitzt. Auffällig oft lobt Schlämmer dabei genau dieses Auto - einen VW Golf.

Eingriff in die Blogosphäre

Diese kurzen Einspieler sind sehr lustig, so wie man Schlämmer von RTL kennt (Hape trifft . . .). Die Figur Schlämmer, ein Trenchcoat-tragender Lokaljournalist aus Mönchengladbach, kam 2006 während eines Auftrittes in der Quizshow "Wer wird Millionär?" zu Ruhm: Weil er mit Moderator Günther Jauch Brüderschaft trank und ihm anschließend die Sendungsleitung abnahm. Jauch und Schlämmer, also Kerkeling, bekamen dafür den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Unterhaltungssendung".

Jetzt ist Schlämmer dabei, die Sitzordnung in der Welt der Weblogs, der so genannten Blogosphäre, zu verändern. Denn VWs Geheimhaltungspolitik hat dazu geführt, dass Kerkelings Blog schon nach einem Monat zu den beliebtesten deutschsprachigen Angeboten zählt. In den entsprechenden Listen und Charts im Internet wird die Werbeseite - je nach Zählung - auf Platz zwei oder drei der deutschsprachigen Blogs geführt.

Es ist kaum anzunehmen, dass Kerkeling und VW diesen Erfolg erreicht hätten, hätten sie - wie in anderen Medien üblich - Anzeige über die Werbeseite geschrieben. Und die Verantwortlichen von Volkswagen scheinen das auch zu wissen. Auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung reagierten sie zunächst zögerlich ("Wir freuen uns natürlich, dass der Golf in die von Ihnen angesprochene Führerschein-Geschichte einbezogen ist") und verschoben die Antwort mit Verweis auf Fachabteilungen.

Viel Eigenlob

Schließlich veröffentlichten sie das Geständnis zuerst auf Schlämmers Webseite. Dort schrieb Kerkeling alias Schlämmer am Dienstagabend: "Volkswagen übernimmt faktisch meinen Führerschein."

In der Sprache der PR-Experten heißt das: "Volkswagen ist der erste Werbetreibende, der mit Horst Schlämmer wirbt." Außerdem lobt sich VW für diese "virale Idee" ausführlich selbst: "Volkswagen hat erstmals eine solche innovative Marketingkampagne inszeniert und mit Horst Schlämmer als einem der beliebtesten und bekanntesten Comedians Deutschlands bisher bestens umgesetzt. Die Platzierung des Weblogs belegt das." Uff.

Ob diese Rechnung auch weiterhin so aufgeht, wie Volkswagen sich das ausmalt, ist unklar. Wenn erkennbar ist, dass schlaemmerblog.tv nur eine lustige Anzeige ist, werden die Leser im Internet vermutlich entsprechend reagieren.

Ein Kommentar unter Schlämmers Geständnis beweist diese Ablehnung bereits: "Na Hape", spricht da der User mit dem Namen "CJM" den Komiker Kerkeling direkt an, "noch nicht genug Kohle auf dem Konto? Null Problem, wenn du von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt hättest, haste aber nicht . . ."

Von Kerkeling selber ist dazu bisher nichts zu hören - weder auf Anfrage der SZ noch im Internet.