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Goooooooogle wächst und wächst:Hase und Google

Prägen Sie sich den Namen ein: Page - wie die pages, die Google findet.

(Foto: Alle Fotos: AP)

Masse - das sind hier die Webseiten voller Krimskrams, darunter auch Informationen. Denn unabhängig davon, dass Google selbst das noch sucht und findet, was man gar nicht vermisst hat - mit "Google Desktop" sogar auf der Festplatte des eigenen Computers - unabhängig davon hat sich auch das Internet inzwischen gewandelt. Man spricht inzwischen vom "Web 2.0" und meint damit: Uns alle. Bislang wurde das Netz von Spezialisten bestellt und bestückt. Nun bricht die Ära der Laien an. Als Publizisten wie Multiplikatoren.

Die Computerzeitschrift c´t hat die neuen Spielwiesen dieses Web 2.0 als "synergetische Kombination aus Buch, Zeitung, Telefon, Radio und Fernsehen" bezeichnet und erkennt darin "den kollektiven Assoziationsraum". Die Zeitschrift Nature spricht von "dynamischer Interaktion der Nutzer in Echtzeit." Und der Netztheoretiker George Dyson belegt das zweite Web mit dem alten Topos von John Cage: "The Mind we all share": Das universelle Bewusstsein. Vielleicht stimmt das ja alles.

Mit weniger Sympathie kann man im Web 2.0 allerdings auch ein dauererregtes Sammelsurium von beliebigem, aber publizierten Zeug erkennen: Selbst das, was früher aus gutem Grund in den Schubladen verschwand, will nun veröffentlicht, gesucht und gefunden sein. Ein Stroh, das auch deshalb nicht zu Gold gesponnen ist, weil Google es halmweise findet. Sobald Google es aber findet, scheint es relevant.

Die Macht über diese amorphe Suchmasse, das ist nun googleseits ein geheimer als geheim gehaltener "Algorithmus", also eine mathematische Methode, nach der Googles Suchmaschinen diesen auflaufenden Content durchkämmen. Die Fundseiten werden dabei nach ihrer Wertigkeit gefiltert, indiziert und gelistet. Allein, was ist Wertigkeit?

Im Jargon der Techniker nennt man dies "Page-Ranking". Und Google behauptet: "PageRank nimmt eine objektive Bewertung der Wichtigkeit von Websites vor." "Objektivität" gerät allerdings dann in den Ruch von Willkür, wenn man nicht weiß, nach welchen Kriterien sie gefunden wurde. Denn einerseits - so die c't: "Durch Googles PageRank wird der Link zur Währung." Während andererseits selbst Spezialisten einräumen, dass Google seine Treffer nicht selten wie ein Orakel unters Suchvolk streut.

Der Such-Algorithmus von Google darf als das vielleicht am besten gehütete Geheimnis des Netzes gelten. Oder aber, so fürchten Kritiker, als Ausdruck eines gefährlichen Informationsmonopols. Denn Google will nicht einfach Websites erfassen, sondern "die Informationen der Welt organisieren." Das klingt vermessen. Im Economist bezeichnete ein Analyst Google schon als "Religion im Gewand eines Unternehmens" und attestierte ihm missionarischen Eifer im Zeichen des "Algorithmus-Gottes".

So wandeln sich die Feindbilder: Während man Ende der Neunziger die Firma Microsoft dafür hasste, dass sie angeblich ein Monopol über die Software auf den heimischen PCs hielt, unterstellen Skeptiker nun Google, es wolle ein Info- Monopol in den Köpfen behaupten - und könne es auch. Denn was immer Menschen im Netz suchen - Google müssen sie nie suchen. Denn Google ist immer schon da. Obwohl manche seiner Visionen dem Versuch gleichen, "eine aufgrund des unberechenbaren Nutzerverhaltens an sich irrationale Industrie nachträglich zu rationalisieren", wie ein Experte zum jüngsten Google-Deal bemerkte. Und dafür sei die Welt nicht reif.

Die c't hat übrigens ihren Google-Artikel mit dem Bild eines Kraken verziert, der seine Arme in alle Richtungen streckt. Einer dieser Arme würgt den Hai Microsoft, das ewige Zuspätkommer-Unternehmen. Das Bild einer immer dichter webenden Spinne im Netz mit einer bereits vorverdauten Microsoft-Beute wäre treffender gewesen.

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