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Gehört, gelesen, zitiert:Ein bissl schaden

Salzburger Festspiele 2020 - 'Zdenek Adamec'

Hanns Zischler (l), Eva Löbau und Luisa-Céline Gaffron spielen bei der Fotoprobe zu 'Zdeněk Adamec' von Peter Handke.

(Foto: Barbara Gindl/dpa)

Peter Handke ist wieder da, mit einem neuen Stück für die Salzburger Festspiele. Kommt es wieder zum Eklat?

Am Sonntagabend stand die Uraufführung des neuen Stücks "Zdeněk Adamec" von Peter Handke auf dem Programm der Salzburger Festpiele. Gleichzeitig erfahren wir aus seiner aktualisierten Biografie, wie sein Verlag und sein Biograf im letzten Jahr gezittert haben, sobald Handke an die Öffentlichkeit trat. Malte Herwig musste sein Buch "Meister der Dämmerung" (Pantheon-Verlag, 408 Seiten, 18 Euro) von 2011 jedenfalls um ein Kapitel verlängern: Der Nobelpreis im letzten Jahr, der Streit um seine Serbien-Engagements, eigentlich die Wiederauflage alter Querelen aus den Neunzigerjahren, aber im Tempo einer nie schlafenden Internetöffentlichkeit geführt - über all das konnte er mit seinem Protagonisten reden, während es passierte. Und so bockig Handke immer auf die Fragen von Journalisten reagierte, so spielerisch geht er es im Gespräch mit Herwig an:

"Wird es zum Eklat kommen, wenn wieder jemand wagt, ihm eine Frage über Serbien zu stellen? Als wir uns im November in Paris treffen, ist Handke noch unschlüssig. ,Soll ich schweigen oder soll ich Bleistifte spitzen?' Aber der Widerspenstige lässt sich nicht zähmen, das wäre ja noch schöner: ,Ich habe keine Chance gegen die, und die haben keine Chance gegen mich.'

Die Fragen werden kommen, hatte ich ihm in Paris gesagt. Das sei schließlich die Aufgabe von uns Journalisten, da werde es ihm nichts helfen, wenn er sich ärgert. ,Das Wort ärgern kann ich nicht ausstehen', entgegnet Handke. ,Ich ärgere mich nicht - ich kriege eine Wut! Das ist ein Unterschied!' Auch der Einwand, dass er sich mit seinen Wutausbrüchen nur selbst schade, lässt ihn kalt: ,Na Gott, ein bissl schaden ist nicht schlecht. Bin ja kein Engel oder so ein Scheißdreck.'"

Dieser Artikel ist zuerst am 3. August 2020 in der SZ erschienen.

© SZ vom 08.08.2020 / SZ
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