Filmfestival Bilder gegen Vorurteile

Filme verbinden: Das Team von "Kino Asyl" hat sich in den vergangenen Monaten mehrmals getroffen, um gemeinsam ein neues Festival zu gestalten.

(Foto: Max Kratzer)

Bei der Erstausgabe von "Kino Asyl" präsentieren Flüchtlinge aus aller Welt Filme aus ihren Heimatländern. Der Initiator Thomas Kupser zeigt mit seinem Festival, wie integrativ Kulturarbeit sein kann

Von Bernhard Blöchl

Mit einem Buch fing alles an. Irgendwann zu Beginn des Jahres hat Thomas Kupser den investigativen Reisebericht "Bilal: Als Illegaler auf dem Weg nach Europa" gelesen. Der italienische Journalist Fabrizio Gatti beschreibt darin sehr genau, wie er sich unter falschem Namen unter Migranten mischte, um zu erleben, was sie erleben. Eine glänzende Flüchtlingsanalyse, die Kupser über das Buch hinaus beschäftigt hat. Der medienpädagogische Referent im Medienzentrum München des JFF wollte Bilder sehen, suchte im Internet nach Videos und Filmen zu den Städten und Straßen in Afrika. Die Netzrecherche blieb unbefriedigend, aber die Idee für ein Festival war geboren: Wie wäre es, wenn Flüchtlinge in München Filme zeigten, die für ihr Heimatland wichtig sind?

Ein "partizipatives Festival" sollte "Kino Asyl" werden. Seine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen sowie sein Talent als Organisator des Jugendfilmfestivals "Flimmern & Rauschen" halfen ihm dabei, die Idee wahr werden zu lassen. Auch, weil die Resonanz von vielen Seiten so positiv gewesen sei, wie Kupser sagt. Als Kooperationspartner konnte er unter anderem die Vereine Filmstadt München, Icoya und Voice of Refugees gewinnen. Das Kulturreferat und das Stadtjugendamt fördern die Veranstaltung, die im Gasteig, Import-Export und Maxim über die Bühne geht.

Wenn hier nun von Sonntag, 6., bis Mittwoch, 9. Dezember, zehn junge Erwachsene aus aller Welt ihre Lieblingsfilme präsentieren, dann geht der ursprüngliche Wunsch des Initiators in Erfüllung: "Ich möchte Filme sehen und Leute kennenlernen, die mir mehr über ihr Land erzählen, mir ihre Kultur näherbringen." Da ist zum Beispiel Lamin Kinteh aus Senegal, der einen Kurzfilm über einen Bettler-Jungen aus Dakar ausgewählt hat. "Ich glaube, ich habe alles im Leben", sagt Lamin, "aber es braucht Zeit, das richtige Herz, die richtigen Handlungen, die richtige Leidenschaft und den Willen, es zu riskieren. Das zeigt auch der Film." Das Werk "Deweneti" von 2006 wird beim Eröffnungsfest im Import-Export gezeigt (6.12., 19 Uhr). Lamin Kinteh wird den Film persönlich vorstellen, und zwar in einer besonderen Form: "Er hat extra einen Song geschrieben und wird rappen", kündigt Kupser an, der sich über "das große Engagement" der jungen Mitarbeiter immens freut. Mehrere Arbeitstreffen haben Kupser und sein Team organisiert. Über eine Ausschreibung hat er die Flüchtlinge kennengelernt, die Teilnehmer stammen aus Mali, Afghanistan, Sierra Leone, oder sind syrische Palästinenser. Sie sind unterschiedlich lang in München und stellen ihre Filme auf Deutsch oder Englisch vor. Eunice Tulia Binti Mabuka zeigt ihren eigenen Film, einen Kurzbeitrag über ihre Heimat Kongo Kinshasa ("Mein geliebtes Land", 2015). Unter den Werken sind aber auch größere Spielfilmproduktionen wie "La Pirogue" (2012) aus dem Senegal oder "Dancing Arabs" (2014) aus Israel.

Teilweise sei es schwierig gewesen, die Filme aufzutreiben, erzählt Thomas Kupser. Sein Ziel für die Zukunft steht indes fest: "Kino Asyl" soll fortgesetzt werden. Mit neuen Kuratoren und der alten Leidenschaft. Denn auch das habe sich gezeigt: Im Laufe der Vorbereitungen sei im Team immer häufiger auf Deutsch gesprochen worden, und einige hätten bewiesen, wie sinnvoll sie sich in die Münchner Kulturarbeit einbringen können.

Kino Asyl - Filme aus unseren Heimatländern, So., 6., bis Mi., 9. Dez., Gasteig, Import-Export, Maxim, Eintritt frei, www.kinoasyl.de