Festival Heimat- und Sachkunde

Bei "Kino Asyl" zeigen geflüchtete junge Menschen Filme aus ihren Herkunftsländern

Von Bernhard Blöchl

Sagt man Flüchtlinge, Geflüchtete oder Zuwanderer? Mareike Schemmerling spricht von "Kuratoren", und genau darin zeigt sich der besondere Charakter ihres Festivals. Bei "Kino Asyl", das zum zweiten Mal vom Medienzentrum München veranstaltet wird, sind es junge Menschen aus Afghanistan, Sierra Leone, Somalia, Syrien und Uganda, die das Programm gestalten. Insgesamt zwölf Kuratoren haben Schemmerling und ihre Kollegen ein halbes Jahr lang begleitet. Gemeinsam haben die Medienpädagogen und die kulturinteressierten Neu-Münchner über Filme aus ihren Heimatländern diskutiert, um die besten davon auszuwählen und aufzutreiben. Die Gruppe hat Flyer, Poster, Trailer und Social-Media-Aktionen konzipiert und sich schließlich auf fünf Festivaltage vorbereitet.

Das Ergebnis ihres Engagements, das als Fortbildung im Kulturmanagement ausgeschrieben war, ist von diesem Sonntag an bei freiem Eintritt zu sehen: Die elf Filme - Kurz- und Langform, Spiel- und Dokumentarfilme - sind zwischen 2008 und 2016 entstanden und spannen thematisch einen weiten Bogen. Sie handeln vom persönlichen Glück in kriegsgeschundenen Ländern ("Was noch?!" aus Syrien und "Buzkashi Boys" aus Afghanistan), vom ländlichen Leben in Südasien ("Snore"), von tödlichen Krankheiten ("The Ebola Story") und barbarischen Traditionen ("Africa Rising" über die Beschneidung von Mädchen). "Sonita" (2015) erzählt vom Traum einer Afghanin, die als illegale Migrantin in Iran lebt und als Rapperin groß herauskommen möchte. Rokhsareh Ghaem Maghamis mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm lief bereits beim Dokfest München, und auch "An der Seite der Braut" über eine vorgetäuschte Hochzeit als Fluchthilfe hat es bei uns bereits ins Kino geschafft. Die internationale Dokumentation von 2014 läuft im Gastprogramm des Festivals, im Anschluss wird über Fluchtwege in Europa, Ursachen und Asylrecht diskutiert (6. November).

Ein Höhepunkt der zweiten Ausgabe ist die Weltpremiere des somalischen Kurzfilms "Qab iyo iil". Bürgerkrieg und Stammesdenken sind die Themen, "Hochmut und Grab" heißt die deutsche Übersetzung. Ausgewählt hat ihn der somalische Student Abdolghadir. Er sagt, der Film solle zeigen, "dass wir alle gleich sind und es keinen Unterschied macht, zu welchem Stamm man gehört." Dem Kino-Asyl-Team ist es nicht nur gelungen, das Werk erstmalig zeigen zu dürfen; auch die Filmcrew gastiert in München (Premiere am 7. Dezember, im Anschluss Diskussion).

Alle Festivalfilme laufen in der Originalfassung mit Untertiteln; jeder Kurator stellt seinen Film persönlich vor. "Alle wollen auf Deutsch oder auf Deutsch mit Englisch moderieren", erzählt Schemmerling und betont die sprachlichen Fortschritte ihrer jungen Mitarbeiter. Der Lernprozess sei enorm gewesen, unter anderem habe es einen Moderations-Workshop mit Radioprofis gegeben. "Vor sechs Monaten waren es so viele Sprachen, es wurde viel mit Händen und Füßen geredet - mittlerweile nur noch auf Deutsch und Englisch."

Das Festival, das 2015 von Schemmerlings Kollegen Thomas Kupser initiiert worden ist, zeigt Wirkung und wächst. Nach dem Zuspruch im Premierenjahr stehen größere Räume und neue Spielstätten zur Verfügung. So flimmern die Filme nicht nur im Gasteig über die Leinwand, sondern auch an den Kammerspielen, wo die Eröffnung über die Bühne geht, und im Audimax der HFF. Weitere Partner sind Refugio München und Filmstadt München, Bund und Stadt fördern die Veranstaltung. Zwei Auszeichnungen gab es dafür bereits: Den Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und den Dieter-Baacke-Preis für interkulturelle und internationale Projekte. Sagt man nun Eingliederung, Aufnahme oder Integration? Egal, "Kino Asyl" zeigt, wie das Miteinander in der Praxis aussehen kann.

Kino Asyl, Sonntag bis Donnerstag, 4. bis 8. Dezember, Kammerspiele, Gasteig, HFF, Eintritt frei