Die Frauenquote in der Politik:Teile und herrsche

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1986 führten sie ihr "Frauenstatut" ein mit einer Mindestquotierung von 50 Prozent. Wahllisten waren von nun an alternierend mit Frauen und Männern zu besetzen, wobei den Frauen die ungeraden Listenplätze zur Verfügung stehen. Der Spitzenplatz gehört also immer einer Frau.

1988 zog die SPD nach und verpflichtete sich, mindestens 40 Prozent aller Posten und Mandate an Frauen zu vergeben. Die CDU sperrte sich lange gegen eine solche Regelung und führte 1996 schließlich ein "Frauenquorum" ein: Frauen sollen an Parteiämtern und Mandaten mindestens zu einem Drittel beteiligt sein - eine weitgehend unverbindliche Empfehlung. Bei der FDP gibt es nicht mal das, nur freundliche Appelle.

Ist das nicht zu viel für Sie?

Dass die Quote als quantitative Strategie viel gebracht hat, kann heute niemand ernsthaft bestreiten, auch wenn sie vielen jüngeren Frauen, die auf Geschlechter-Kategorien verzichten zu können meinen, als Relikt eines bürokratischen Feminismus gilt.

Die Quote mag ein ungerechtes Instrument sein - aber eines für mehr Gerechtigkeit in nach wie vor androzentrischen Machtstrukturen. Ohne diesen Druck ist die Teilhabe von Frauen an der Macht trotz Gleichberechtigungsgesetz, Gender-Mainstreaming und Alice Schwarzer noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Ein Blick auf die Bundestagsfraktionen zeigt, dass die Parteien mit einer Quotenregelung einen überdurchschnittlichen Frauenanteil haben (Bündnis 90/Die Grünen: 58,2 Prozent, SPD: 37,8 Prozent), die Parteien ohne strenge Quotierung einen unterdurchschnittlichen (CDU/CSU: 23 Prozent, FDP: 25,5 Prozent).

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Ursula von der Leyen, jüngst ins CDU-Präsidium gewählt, bescheinigt der Quote eine geradezu "bahnbrechende Funktion": "Ohne dieses Instrument sind Frauen in den Parteien immer an gläserne Decken gestoßen. Die Quote hat ihre Chance auf Teilhabe überhaupt erst zugelassen."

Als Folge habe die Quote nicht nur eine "Vielfalt an weiblichen Talenten und Persönlichkeiten" gezeitigt, sondern auch Netzwerke und "tendenziell ein Bewusstsein, dass beide Seiten davon profitieren".

Der Tag ohne Quote

Eines Tages wird die Quote nicht mehr nötig sein, dieser Tag aber, sagt von der Leyen, "ist noch nicht in Sicht". In den Kommunalparlamenten sei der Frauenanteil noch gering. "Und gerade da werden wichtige familienbetonte Entscheidungen gefällt."

Die Machtansprüche von Frauen lassen sich jedenfalls nicht mehr so leicht abschmettern. Die Postenvergabe unterliegt heute einer verschärften Beobachtung. Das heißt nicht, dass die Männer nicht ihre Strategien hätten, Frauen auszuschließen - von betont herablassendem Verhalten bis hin zu Absprachen in Kungelrunden und Hinterzimmern.

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