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Der Auschwitzprozess als Hörspiel:Auf Höllenfahrt

Wo wurden die Büchsen mit dem Zyklon B gelagert? Wer hat sie dort abgeholt? "Die Ermittlung" von Peter Weiss' über den Auschwitzprozess gibt es jetzt als Hörspiel. Nicht leicht, sich das anzuhören.

Als "Die Ermittlung" von Peter Weiss den Frankfurter Auschwitzprozess im Oktober 1965 auf die Bühne brachte, war das ein gesamtdeutsches Ereignis. Die Uraufführung fand an 14 Theatern in der DDR und der Bundesrepublik gleichzeitig statt, daneben gab es eine Inszenierung in London. Gerade mal zwei Monate waren seit der Urteilsverkündung im Gerichtssaal vergangen.

Der Auschwitzprozess als Hörspiel

Der Auschwitzprozess (1964) vor dem Frankfurter Schwurgericht, erster Tag: Wilhelm Boger, Dr. Viktor Capesius und Oswald Kaduk (v.l.n.r.) sind die drei Hauptangeklagten.

(Foto: Foto: AP)

Die Verbreitung des Stücks wurde noch einmal vorangetrieben: Der Ost-Berliner Deutschlandsender und die bundesdeutschen Rundfunkanstalten produzierten je eine eigene Hörspielfassung. Bei der jetzt neu aufgelegten Produktion aus dem Westen hatte der Hessische Rundfunk die Leitung übernommen, Regie führte Peter Schulze-Rohr, die Einrichtung besorgte Hermann Naber. Er erklärte damals, nicht der Vergangenheit, die man gern vergessen möchte, gelte die "Ermittlung", sondern der sich verschließenden Gegenwart.

Die persönliche Schuld windet sich

Es zeigt sich aber, dass Weiss' Stück, gerade in der Hörspielfassung, mehr als eine zeitgenössische Reaktion auf ein aktuelles Ereignis ist, mehr ist als moralisches Dokumentartheater, das nach den Tätern in der Mitte der Gesellschaft fahndet. Peter Weiss hat im juristischen Prozess nicht weniger als eine überzeitliche dramatische Form gefunden, mit der sich Auschwitz darstellen lässt.

Die juridische Untersuchung erforscht das Geschehen im Konzentrationslager, sie wird zum Erzählprinzip. Im Frage-Antwort-Rhythmus entspannt sich zwischen den Aussagen von Zeugen und Angeklagten das Tableau der Unmenschlichkeit. Das "Oratorium in 11 Gesängen" ist eine Leidensgeschichte in elf Stationen. Sie beginnt mit dem "Gesang von der Rampe", wo die Menschentransporte eintreffen und die Schwachen und Kranken gleich ins Gas geschickt werden. Sie endet mit dem "Gesang von der Feueröfen", wohin letztlich auch die Schleife der schier unvorstellbaren Entwürdigung führt.