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Das ist nicht schön:Was heißt hier etabliert?

Das "Rockavaria" findet 2017 nicht statt. Das hatte sich angekündigt.

Von Michael Zirnstein

Wann darf man sagen, ein Festival habe sich "etabliert"? Die "Night Of The Proms" gastierte in 22 Jahren 64 Mal in München; schon während der Show kaufen Stammgäste in der Olympiahalle die Tickets fürs nächste Jahr - ohne zu wissen, wer da auftritt. So etwas nennt man "etabliert". Sofort nach dem zweiten "Rockavaria" im Olympiapark tönten die Veranstalter von Deag und Global Concerts, ihr Festival "habe sich endgültig als ernstzunehmende Größe im Open-Air-Sommer etabliert". Und welcher Rock-Fan freute sich nicht darüber, nach 20 Jahren endlich wieder ein "Mega-Event" (Deag) mit 38 000 Besuchern und Stimmungsgaranten wie Metallica oder Iggy Pop und Iron Maidon in München zu haben?

"Auf Hochtouren" liefen gleich die Vorbereitungen für die dritte Runde an, "auf Hochtouren" laufen sie angeblich noch immer. Nur, wer auf Hochtouren mit angezogener Handbremse dreht, erreicht sein Ziel selten. Viele unken schon, es werde 2017 gar kein Rockavaria geben, zumal "Rock im Revier", mit dem man sich Kosten und Künstler teilte, längst abgeblasen ist. Der Veranstalter wiederholt zwar mantrahaft, dass mit den Bands "intensiv verhandelt" werde, verkündet ist aber noch keine. Den Termin vom 26. bis 28. Mai immerhin haben sich, wie die Olympiapark GmbH bestätigt, die Rockavaria-Macher vertraglich reservieren lassen.

Wo ist das Problem? Es ist so wie bei Donald Trump, der für die Feier zum Amtsantritt keine Künstler bekam, mit denen er sich schmücken konnte - am Ende sagte sogar eine Springsteen-Coverband ab, immerhin trat ein Mormonenchor auf. Die Konkurrenz-Open-Airs sind längst mit ihren Zugnummern im Verkauf, "Rock im Park" von 2. bis 4. Juni mit den Toten Hosen und Rammstein. Die meisten stadiontauglichen Bands sind dagegen längst verplant, Guns N' Roses geben ein Einzelkonzert im Olympiastadion, Aerosmith stoppen auf ihrer "Aero Vederci"-Tour am Königsplatz - just am "Rockavaria"-Wochenende und organisiert von der Deag. Wieso macht sie sich selbst Konkurrenz? Wird "Rockavaria" verschoben oder verkürzt? Das wäre nicht schön.

Die Branche rätselt und schlägt gerade wahllos Namen von Gruppen vor, die an dem Datum noch frei haben wie Volbeat, Kings Of Leon oder - Gott behüte - Bon Jovi. Oder wird etwa doch mit einer Mega-Band verhandelt, die so ein Festival alleine ausverkauft? Heiß für das Frühjahr erwartet wird die Europa-Tournee einer Band, die München liebt und hier längst überfällig ist: die Rolling Stones. Mick, Keith & Co. noch einmal im Olympiastadion, das indes wäre mehr als schön. Denn ob man sie mag oder nicht: Etabliert sind die ganz gewiss.

© SZ vom 21.01.2017
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