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Bryan Ferry im Interview:"Die Presse wird mich mit Jauche übergießen"

Der Sänger und Komponist Bryan Ferry hat seit je seinen eigenen Stil. Mit uns spricht er jetzt mal über die Queen, seine Hunde, Bob Dylan, Tony Blair und andere Diven.

Alexander Gorkow und Eckhart Nickel

Salon Nummer 18, Bayerischer Hof, München. Bryan Ferry, 61 Jahre alt, sieht umwerfend aus. Er ist deutlich lustiger gestimmt als beim Interview am selben Platz vor fünf Jahren. Damals malte er etwas depressiv mit der Fingerspitze Muster auf den Glastisch - es war die Zeit seiner Scheidung. Bryan Ferry trägt während des Interviews Schuhe von Berluti, die, wie er sagt, "hoffentlich ihrem Mythos standhalten". Dazu lässig eine Levis 606. Sakko und Hemd kommen von der Schneiderei Anderson & Shepherd aus der Savile Row. Er will ersichtlich viel lieber plaudern als reden.

Bryan Ferry

Bryan Ferry.

(Foto: Foto: AP)

SZ: Mister Ferry, wie haben Sie letzte Nacht geschlafen?

Byan Ferry: Oho, wieso fragen Sie?

SZ: Sie sprachen bei unserem Interview vor fünf Jahren von . . .

Ferry: Schlafstörungen? Ich habe ein phänomenales Gedächtnis. Oft eine Höllenqual. Vielgestaltig anmutende Bilder, expressionistische Gesichter, sie lassen mich schlecht schlafen. Darüber sprachen wir? Na, sieh mal einer an!

SZ: Wie haben Sie letzte Nacht geschlafen?

Ferry: Wider Erwarten gut. Im Adlon in Berlin. Ich habe vorm Zubettgehen Weißwein getrunken. Was heißen soll: Es waren planmäßig einige Gläser zu viel. Der Wein hat mich dann . . . ja, wie eine Feder in den Schlaf gleiten lassen.

SZ: Sie bekommen nun hier in München . . .

Ferry: Verzeihung, dass ich Sie unterbreche: Ich habe am Heiligen Abend an Sie denken müssen. So, was sagen Sie jetzt?

SZ: Warum bitte das?

Ferry: Ich verbrachte den Heiligen Abend im "Mandarin Oriental" in Bangkok. Der Manager, Herr Wachtveitl, bedankte sich bei mir. Ich habe sein Hotel damals im Gespräch mit Ihnen wohl sehr gelobt.

SZ: Das haben Sie in der Tat. Und außerdem das Parkhotel in Bremen.

Ferry: Ein wunderschönes Hotel! Mit einem See davor. Kennen Sie es?

SZ: Fünf Jahre ist Ihre Empfehlung her - und wir waren immer noch nicht da.

Ferry: Sie haben Ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Jetzt kann ich nur sagen: Hoffentlich ist es noch, wie es mal war.

SZ: Man kommt nicht zwangsläufig nach Bremen . . . das war das Problem.

Ferry: Das Parkhotel ist ein Grund. Testen Sie es! Diesmal verlass' ich mich auf Sie!

SZ: Mister Ferry, Sie bekommen hier in München eine Auszeichnung: Sie sind nun in der "Diva Hall Of Fame".

Ferry: Dieser "Diva Award" - ich kenne ihn gar nicht. Es ist doch kein, wie soll ich sagen, zweifelhafter Preis?

SZ: Nein, eine würdige Auszeichnung.

Ferry: Da bin ich beruhigt. Ich dachte halt, es wäre eine Gelegenheit, um die schöne Stadt München wieder zu besuchen. Und mich unter Menschen zu begeben.

SZ: Dass Sie der "Gottvater des Stils" sind, wissen wir. Die "Sunday Times" kürte Sie dazu. Aber sind Sie eine Diva?

Ferry: Aber nein! Nun, habe ich vielleicht in seltenen Momenten Züge einer Diva? Ich versuche immer, ein fairer und höflicher Mensch zu sein. Aber hier und da bin ich zweifellos unausstehlich. Vor einem Auftritt zum Beispiel. Die Menschen stellen heute hohe Erwartungen an ein Konzert. Andererseits verbinden wir mit der Bezeichnung "Diva" Maria Callas - und die Gegenstände, die sie umherwarf. Ich dachte mal darüber nach, damit anzufangen, weil es in den Siebzigern viele Rockbands taten. Das erschien mir dann aber als zu prätentiös. Wie Sie wissen, waren wir bei Roxy Music dafür berühmt, Hotels nicht zu zerstören: Wir haben sie nur umdekoriert.

SZ: Ein geflügelter Spruch. Stimmte er?

Ferry: Durchaus. Wieso sollten wir in Zimmern übernachten, die . . . hm, zum Beispiel nicht schön möbliert waren? Wir haben diese Möbel dann vor die Zimmertür gestellt. In Kettenhotels können Sie das heute nicht mehr machen, die Möbel sind festgetackert.Nun ja. Auch Kettenhotels erfüllen Ansprüche.

SZ: Oft sogar hohe.

Ferry: Sagen wir, wenn man Glück hat: gewisse. Wir hatten damals auch Überwürfe dabei, die wir über jene Sachen legten, die uns nicht gefielen. Ich mag Stoffe, alte Möbel, allerlei, wie soll ich sagen . . .

SZ: Dinge.

Ferry: Ja. Dinge . . . Dinge. Ulkig. Oder?

SZ: Och, wieso nicht!

Ferry: Mag ich Dinge mehr als Menschen? Ich muss einmal darüber nachdenken. Dinge können Freunde sein.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum Hunde Diven sind.

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