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BKA-Affäre:Strafanzeige gegen "Focus"-Redakteur

In der Affäre um den Handel mit sensiblem Geheimmaterial aus dem Bundeskriminalamt ist gegen Focus-Redakteur Josef Hufelschulte Strafanzeige wegen Erpressung erstattet worden. Dieser weist die Vorwürfe zurück.

Johannes Nitschmann

In der Affäre um den schwunghaften Handel mit sensiblem Geheimmaterial aus dem Bundeskriminalamt (BKA) ist gegen den Focus-Redakteur Josef Hufelschulte Strafanzeige wegen Erpressung erstattet worden.

Die Staatsanwaltschaft München erklärte am Freitag auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung, bei dem Anzeigenerstatter handele es sich um den Privatagenten Werner Mauss. Die Ermittlungsbehörde werde "das Vorliegen eines Anfangsverdachts prüfen", sagte Oberstaatsanwalt August Stern.

Grundlage der Strafanzeige ist eine eidesstattliche Versicherung von Mauss. Darin wird der Focus-Journalist beschuldigt, er habe dem V-Mann im November 2002 damit gedroht, dessen brisante Aussage beim BKA über angebliche Geschäfte arabischer Terrornetzwerke mit Massenvernichtungswaffen zu veröffentlichen.

Falls er jedoch 5000 Euro über Hufelschulte an einen "Nachrichtenhändler" zahle, könne er den geheimen BKA-Vermerk "vom Markt kaufen".

Eine Veröffentlichung der auf libysche Geheimagenten gestützten Aussage beim BKA hätten "mich und meine Familie in Lebensgefahr gebracht", schreibt Mauss in seiner eidesstattlichen Versicherung. "Zur Gefahrenabwehr musste ich auf die Erpressung eingehen, da Herr Hufelschulte aller Voraussicht nach die angedrohte Veröffentlichung vorgenommen hätte."

Am 14. November 2002 habe er den Focus-Redakteur in einem Frankfurter Hotel getroffen und "mit Wissen des BKA" 4000 Euro an ihn gezahlt, "um Zug um Zug die Kopie des Originalvermerkes meiner polizeilichen Vernehmung entgegen zu nehmen", versichert Mauss der Staatsanwaltschaft.

Hufelschulte weist die Erpressungsvorwürfe entschieden zurück. "Vielmehr hat er dem ihm bekannten Herrn Mauss und seiner Familie helfen wollen", erklärte sein Anwalt Robert Schweizer auf SZ-Anfrage.

Er habe "kein Material verkauft" und "sich nicht bereichert". Ebenso falsch seien die Angaben von Mauss, Hufelschulte habe ihm in der Folgezeit für insgesamt 18 000 Euro etwa 1000 Blatt Geheimdienstmaterial verkauft.

Focus und Hufelschulte hatten bereits vergangene Woche umfangreiche juristische Schritte angekündigt, um gegen Behauptungen über einen kriminellen Aktenhandel im Umfeld des Münchner Nachrichten-Magazins vorzugehen.

Gegen den BKA-Präsidenten Jörg Ziercke haben die Focus-Anwälte inzwischen beim Bundesinnenminister eine Dienstaufsichtsbeschwerde "wegen Verleumdung" erhoben.

Ziercke hatte den Aktenhandel "korrupter BKA-Beamter" in Zusammenhang mit drei Focus-Journalisten und dem Selbstmord eines BKA-Abteilungsleiters gebracht. Dieser habe "heiße Sachen" mit Focus-Leuten gemacht.

© SZ vom 21.4.2007
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