Bergmans erste Schritte als Regisseur Inszenierungen im Kellerloch

Früher Berufswunsch: Im Keller eines Stockholmer Wohnhauses wurde Ingmar Bergmans sagenumwobene erste Theaterbühne entdeckt, auf der er mit 16 Jahren bereits Stücke einstudiert haben soll.

Von Christopher Schmidt

Was immer Ingmar Bergman hier gespielt und inszeniert haben mag, ob er bereits in die Ehehöllen von Strindberg und Ibsen hinab - oder in die Himmel von Shakespeare und Mozart aufstieg - wir wissen es nicht. Dass das ursprüngliche, mittlerweile durch eine Betondecke ersetzte Tonnengewölbe sowie die rückwärtige Wand rot angemalt waren, deutet jedoch eher auf expressionistische Experimente hin.

1963, zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, war Ingmar Bergman schon ein bekannter Regisseur. Seine ersten Regie-Schritte lagen da bereits 27 Jahre zurück.

(Foto: Foto: AP)

Die robuste Holzbühne und der Vorhang aus Sackleinen, der mittels eines Seils auf - und zugezogen werden konnte, verraten allemal professionellen Ehrgeiz, der vorerst nur mit Improvisationstalent und kräftiger familiärer Mitwirkung gestillt werden konnte.

Im Keller des Stockholmer Wohnhauses Storgatan Nr. 7, in dem die Familie Bergman nach ihrem Umzug aus Uppsala wohnte, soll Ingmar Bergman als Sechzehnjähriger seine ersten Stücke einstudiert haben.

Nun wurde diese Bühne entdeckt und der Mythos widerlegt, dass der 1918 geborene Bergman erst an der Studentenbühne der Universität zu inszenieren begann, nachdem er sich mit seinem Vater entzweit hatte. Früher bereits war er also buchstäblich in den Untergrund gegangen, um der strengen Erziehung im Pfarrhaus in die Gegenwelt des Theaters und der Bohème zu entfliehen - und zwar kurioserweise unmittelbar zu Füßen des Vaters.

Bergmans Diktum, die Welt der Kindheit sei immer "die unterste Schublade'' seiner Werkstatt gewesen, hat durch den unterirdischen Fund einen völlig neuen Klang bekommen. Geöffnet hat dieses Geheimfach die Journalistin Annie Hellström von der schwedischen Zeitung "Expressen". Zwei Bemerkungen Bergmans in seiner Autobiographie "Laterna Magica'' hatten sie bei der Suche nach der sagenumwobenen Kellerbühne auf die richtige Spur gebracht.

An einer Stelle des Buches beschreibt Bergman detailliert die Lage des Raumes, der ihm im neuen Domizil zur Verfügung stand, an einer anderen erwähnt er, dass die Mutter und die Schwestern die Dekorationen für die ersten Theateraufführungen der Kinder fertigten. Denn wie in so vielen Künstlerbiographien, war es auch bei Ingmar Bergman die Mutter, die ihre schützende Hand über die Untergrabung der väterlichen Autorität hielt.

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