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Aus der MS-Encarta:Stichwort: Borderline-Syndrom

Viele Prominente leiden an dieser Krankheit. Alle Fakten zum Borderline-Syndrom.

Borderline-Syndrom (englisch borderline: Grenze, Grenzfall), Persönlichkeitsstörung, bei der wechselweise Symptome einer Neurose und einer Psychose auftreten.

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Das Borderline-Syndrom ist eine der häufigsten psychischen Störungen, zwischen 10 und 20 Prozent aller seelisch Kranken bzw. 2 Prozent der Gesamtbevölkerung leiden darunter, betroffen sind vor allem Frauen. Im Gegensatz zur Psychose fehlen beim Borderline-Syndrom echte paranoid-halluzinatorische Episoden und schizophrene Denk- und Ich-Störungen; eine Realitätsprüfung kann zumeist noch stattfinden. Allerdings können bei emotionaler Erregung paranoide Phantasien oder Wahrnehmungsstörungen auftreten, die auf die Konfliktsituation begrenzt bleiben.

Das Borderline-Syndrom ist insbesondere durch die Unfähigkeit gekennzeichnet, Gefühle zu kontrollieren. Die Betroffenen sind leicht reizbar, sie leiden unter Stimmungsschwankungen und reagieren auf geringste Anlässe mit heftigsten Gefühlsausbrüchen, ohne in der Lage zu sein, ihre emotionalen Ausbrüche und Aggressionen zu zügeln. Weitere Anzeichen dieser seelischen Störung sind Angst, Depression, berufliche Orientierungslosigkeit und abgrundtiefes Misstrauen. Zudem treten Missbrauch von Alkohol oder Drogen auf sowie Essanfälle und Erbrechen. Ihr Selbstbild und ihre Lebensziele sind Borderline-Patienten häufig unklar, ihre Lebenssituation ist extrem instabil. Das Verhalten der Kranken wird durch die Angst geprägt, von einer engen Bezugsperson verlassen zu werden; die Betroffenen versuchen daher, diese Person zu manipulieren, und fürchten sich selbst vor vorübergehendem Alleinsein. Die Symptome des Borderline-Syndroms werden in der Regel auch von den Betroffenen als Krankheit empfunden. 69 bis 80 Prozent der Borderline-Patienten fügen sich selbst Verletzungen zu (z. B. Schnittverletzungen); etwa 8 Prozent der Betroffenen sterben durch Suizid.

Die Ursachen dieser so genannten emotional instabilen Störung sind nicht eindeutig geklärt. Viele der Erkrankten haben in ihrer Kindheit Gewalt oder sexuellen Missbrauch erlebt, oder sie wurden emotional vernachlässigt. Borderline-Patienten haben oftmals nicht gelernt, dass wichtige Bezugspersonen wie die Mutter nicht nur gute, sondern auch negative Persönlichkeitsmerkmale aufweisen; sie verinnerlichen ein nicht der Realität entsprechendes, ausschließlich positives Persönlichkeitsbild. Möglicherweise liegt dem Syndrom auch eine neurobiologische Störung im limbischen System (siehe Gehirn) zugrunde, wo das Gefühlsleben reguliert wird. So wurde beobachtet, dass der Mandelkern (ein Teil des limbischen Systems) bei Borderline-Patienten auf negative emotionale Reize überempfindlich reagiert (Biological Psychiatry, 2002).

Borderline-Patienten gelten als sehr schwer therapierbar. Mit Hilfe einer Verhaltenstherapie kann der Behandelnde Borderline-Persönlichkeiten darin unterstützen, Gefühlsausbrüche zu beherrschen, sich emotional weniger anzuspannen und sich selbst weniger Schaden zuzufügen. Ein wichtiges Therapieziel ist die Stärkung der emotionalen Belastbarkeit. Durch eine tiefenpsychologische Therapie lassen sich möglicherweise traumatisierende Kindheitserlebnisse aufdecken. Stimmungsschwankungen, psychotische Symptome und Depressionen können medikamentös behandelt werden. Wichtig ist, dass Kontaktpersonen den Betroffenen Unterstützung, Mitgefühl und Wahrheit signalisieren; fachsprachlich wird dies als SET-Kommunikation bezeichnet (für englisch: support, empathy, truth). Eine Borderline-Erkrankung muss trotz der therapeutischen Probleme kein unabwendbares Schicksal sein: Bei mehreren Studenten, die unter diesem Syndrom litten, jedoch nicht behandelt wurden, besserte sich die Störung im Lauf von vier Beobachtungsjahren deutlich oder verlor sich sogar (Archives of General Psychiatry, 2004).