Angeben für AnfängerDie Gedanken sind Weiwei

Hatten wir nicht mal alle gelernt, uns unseres freien Verstandes zu bedienen? Kaum zu glauben, wenn man einen Blick nach China wirft. Lernen Sie mitzureden über: Aufklärung.

Hatten wir nicht mal gelernt, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen? Kaum zu glauben, wenn man einen Blick nach China wirft. Lernen Sie mitzureden über: Aufklärung. Die Aufschneider-Kolumne.

Was ist das?

Ganz aktuell ist sie wieder in jedermanns Munde, diese Aufklärung, und das alles wegen einer Ausstellung im fernen China, wo man sich freiheitsliebend gibt, aber liebend gerne Freiheit nimmt. Nicht zu verwechseln mit der Jugendarbeit der Bravo, versteht man unter Aufklärung zunächst einmal die radikale Konzentration auf die geistige Vernunft. Abgesehen von all den Morden, Fehden und verheerenden Naturkatastrophen meinte es die Bibel ja eigentlich recht gut mit den Menschen, immerhin steht das Motto "Es werde Licht" am Kapitelanfang der Schöpfungsgeschichte. Tatsächlich aber überwog die meiste Zeit die Finsternis und es dauerte bis zum 18. Jahrhundert, bis man darauf kam, dass Gott doch nicht alle Sünden bestraft. Am besten wusste das der besonders kluge Kopf Immanuel Kant, als er verkündete: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Gemeint ist das, was ungleich später die skandinavische Band Clawfinger ihren Fans mit etwas härterem Sound einzuhämmern versuchte, nämlich: "Use Your Brain" - und werde frei. Zu den Zielen der Aufklärung gehörte vor allem Freiheit, und das in jeglicher Hinsicht. Schnell war das Mittelalter als rückständig verurteilt, die meisten sprangen auf die Aufklärungsdroschke auf, die durch Europa tourte und deren Kutscher eben Kant, Rousseau, Voltaire & Co. hießen. Irgendwie muss dem Gespann unterwegs die Kraft ausgegangen sein. Denn, wie die letzte Rakete im Feuerwerk der Aufklärung, Theodor W. Adorno im 20. Jahrhundert schon anmerkte: Aufklärung ist Mytholohgie und Mythos ist schon Aufklärung. Und jenseits des alten Europa wollte und will man eh wenig davon wissen.

Text und Bildauswahl: Daniela Otto/sueddeutsche.de/rus/bgr

Im Bild: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Die Schöne auf dem Gemälde von Gottlieb Schick aus dem Jahr 1802 trägt die Farben der Französischen Revolution. Und hängt gerade als Leihgabe in der besagten Ausstellung "Kunst der Aufklärung" in Peking rum.

Bild: dapd 8. April 2011, 14:582011-04-08 14:58:28 © sueddeutsche.de/dato