A-capella-Musik In feuchten Tüchern

Die Herren vom Weltmeister-Quartett Crossroads aus den USA singen am Freitag- und Samstagabend in München

(Foto: oh)

Beim Barbershop Musikfestival in München wetteifern mehrere Ensembles um die Gunst des Publikums - mit ganzem Körpereinsatz

Von Henrik Oerding

Strohhut, bunte Jacke und Fliege, fertig ist das klischeehafte Barbershop-Outfit. Das kennt man aus verschiedenen Referenzen der Popkultur, ob The Be Sharps bei den Simpsons oder Jimmy Fallons Ragtime Gals. Meist sieht man da Barbershop-Quartette, vier Männer, die ohne Instrumente über Liebe, Leid und Herzschmerz singen. Das gehört ohne Frage zum Barbershop; dass sich darunter aber auch ganz andere Ensembles finden lassen, zeigt das Barbershop Musikfestival, das nun zum ersten Mal in München stattfindet.

Den Namen hat der Barbershop-Gesang dem Mythos nach aus den amerikanischen Friseurläden des späten 19. Jahrhunderts. Die wartenden Herren vertrieben sich die Zeit mit Musik: Einer stimmte eine Melodie an, drei stiegen ein, schon hatte man ein Quartett. Heute ist das Genre dem Barbier entwachsen und besonders in den USA, in England und Skandinavien populär. Aber auch in München, der deutschen Hochburg des Barbershops, gibt es inzwischen drei Chöre, die sich diesem Gesang verschrieben haben.

"Barbershop? Ach, ihr seid alles Friseure!", muss auch Hans-Jürgen Wieneke häufig hören. Der Wahl-Münchner ist Leiter des Münchner Chores Herrenbesuch und war Gründungsmitglied des deutschen Verbandes "Barbershop in Germany" (BinG!), der das Festival ausrichtet. Nach einem Besuch in den USA entbrannte bei ihm die Lust am Barbershop, "the martial arts of a cappella", wie manche sagen.

Auch in München werden zahlreiche Ensembles um eine Trophäe kämpfen: Während am Freitag und Samstag die besten Quartette und Chöre nach Geschlechtern getrennt bestimmt werden sollen, findet am Sonntag sogar eine Weltmeisterschaft in München statt: Zum dritten Mal treten gemischte Barbershop-Quartette aus der ganzen Welt gegeneinander an, eine Idee des deutschen Verbandes. Höhepunkt des Festivals ist die "Show der Champions" am Samstag, bei der die prämierten deutschen Ensembles mit einigen der internationalen Gäste auftreten werden.

Alle Teilnehmer werden in den Kategorien Gesang, Musik und Präsentation bewertet. Denn im Unterschied zum klassischen A-cappella-Gesang spielt auch die Show eine große Rolle, sodass die Sängerinnen und Sänger versuchen, durch Tanzen, Steppen oder Bodypercussion die Botschaft des jeweiligen Songs zu verstärken. Das sorgt nicht nur für Spaß bei den Sängern, sondern auch für Begeisterung im Publikum. Das Genre sieht sich als "populäre Musik im besten Sinne", wie Hans-Jürgen Wieneke sagt. "Wofür mache ich denn eigentlich Musik? Ich möchte doch beim Zuschauer etwas erreichen!"

Da ist es verständlich, wenn das Publikum nach dem Konzert noch nicht nach Hause gehen will. Deshalb gibt es beim Barbershop den "Afterglow": Nach Konzertende sitzen Zuschauer und Sänger noch zusammen und reden, trinken und singen. Dabei bringen die erfahreneren Sänger den weniger geübten gerne kleine Melodien, sogenannte "Tags", bei, die man schnell im Quartett singen kann. "Das machen wir bis drei, vier Uhr morgens", erzählt Wieneke.

Bei so viel Geselligkeit nimmt es kaum Wunder, dass Barbershop-Ensembles entgegen dem Trend beständig wachsen. Dafür ist es ihnen auch wichtig, auf die Menschen zuzugehen und "auch mal in die Kneipe zu gehen und da vierstimmig zu singen", sagt Wieneke. Man darf also hoffen, dass künftig in Münchner Wirtshäusern Musik aus dem Friseursalon zu hören sein wird.

Barbershop Musikfestival, Fr. bis So., 4. bis 6. März, Gasteig, www.barbershop.de