Zeitarbeit Umstrittener Klebeeffekt

Gabriele Altmanns Bezahlung als Stammbeschäftigte bei der Messe-Verwaltung ist deutlich besser als in der Zeit als Zeitarbeiterin bei gleicher Tätigkeit. Eigentlich sieht das Gesetz vor, dass Leiharbeiter bei gleicher Tätigkeit das gleiche Gehalt bekommen wie ihre fest angestellten Kollegen im selben Betrieb. Doch eine Gesetzesklausel ermöglicht es, das auszuhebeln. Wenn nämlich Tarifverträge zwischen Arbeitnehmern und Gewerkschaften in der Zeitarbeitsbranche geschlossen werden, dürfen die Löhne und Gehälter auch niedriger sein.

"Equal pay ist gar nicht möglich", erklärt Unternehmerin Voß. Denn die Zeitarbeitsfirmen haben zwei Schrauben, mit denen sie ihre Kalkulation regulieren können. Die eine Schraube ist der Aufschlag, den sie ihren Kunden für die Überlassung berechnen und mit dem sie sämtliche Kosten wie die Sozialversicherung der Mitarbeiter bestreiten müssen.

Die andere Schraube ist der Stundenlohn, den der Arbeitnehmer erhält. Da der Aufschlag nicht zu hoch sein darf, wenn sich die Beschäftigung eines Zeitarbeiters für den Kunden noch lohnen soll, bleibt nur die andere Schraube: "Da kann man nur bei den Löhnen ansetzen", sagt Voß. Allerdings ist die Spanne zwischen den einzelnen Anbietern oftmals sehr groß.

"Als Zeitarbeiter wird man nie vollwertiger Kollege"

Assistentin Altmann freut sich nicht nur über die bessere Bezahlung als Festangestellte. Für sie ist es ein ganz neues Gefühl, nun endlich fest zum Team zu gehören. "Als Zeitarbeiter wird man nie als vollwertiger Kollege angesehen. Wenn es Neuerungen gibt, heißt es oft: Das müssen wir der gar nicht erklären, die ist ja eh bald wieder weg", sagt sie.

Trotz aller Nachteile möchte sie die Phase der Zeitarbeit nicht missen. Denn Zeitarbeit sei ein Türöffner in viele Unternehmen. "Man lernt unheimlich viel kennen. Ich könnte Romane schreiben", sagt Altmann. Die Leiharbeit bei der Messe AG sei für sie zudem der Schlüssel für die Festanstellung gewesen, meint sie, bevor sie wieder zum Telefonhörer greift: "Ich denke, ohne die Zeitarbeit hätte ich diesen Job nicht bekommen."