Zeitarbeit Umstrittener Klebeeffekt

Dabei akzeptiert auch Dombre, dass Zeitarbeit in einem gewissen Umfang sinnvoll ist: um flexibel Mitarbeiter einzusetzen, wenn der Krankenstand hoch ist oder wenn sich im Unternehmen die Aufträge stapeln. "Dafür würde aber ein Zeitarbeitsanteil von zehn Prozent am Gesamtpersonalbestand ausreichen. In einigen Betrieben ist es schon ein Drittel der Belegschaft. Da unterstelle ich, dass Zeitarbeit auch dazu genutzt wird, um die Löhne zu drücken."

Da mag ihm auch Zeitarbeits-Unternehmerin Voß nicht widersprechen. "Ein Zeitarbeitsanteil von 20 Prozent oder mehr ist ungerecht", sagt sie. Voß geht es aber bei ihrem Unternehmen um etwas ganz anderes: "Zeitarbeit ist ein Mittel der Personalauswahl und -flexibilisierung. Wir machen es erst möglich, dass Geringqualifizierte beschäftigt werden."

Die Auswüchse von Zeitarbeit sind auch BZA-Vorstandsmitglied Sebastian Lazay ein Dorn im Auge. "Zeitarbeit sollte als flexibles Instrument der Personalpolitik eingesetzt werden, nicht um Löhne zu drücken", sagt er.

Ein Viertel der Zeitarbeiter wird übernommen

Wenn es nach ihm ginge, sollte Zeitarbeit vor allem als Job-Motor dargestellt werden. Tatsächlich werden laut einer vor kurzem erschienenen Studie des Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag BZA ein Viertel der Zeitarbeiter vom jeweiligen Betrieb übernommen. Weitere 20 Prozent bekommen demnach von einem anderen Arbeitgeber nach der Zeitarbeit einen festen Job angeboten.

Doch die Antwort auf die Frage, wie hoch der Anteil der übernommenen Kollegen sei - in der Branche sagt man "Klebeeffekt" -, ist umstritten. Nach Angaben von Gewerkschafter Dombre liegt sie bei nur zwölf Prozent. Tina Voß hingegen hat nach eigenen Angaben eine Übernahmequote von etwa 60 Prozent vorzuweisen, auf eine Provision verzichtet sie.

Gerade das aber können die meisten Zeitarbeitsfirmen nicht, meint BZA-Vorstandsmitglied Sebastian Lazay. "Diese Provision ist für unsere Mitglieder ein Schutz." Es bestehe die Gefahr, dass die Firmen die Zeitarbeit dazu ausnutzen, geeignete Mitarbeiter zu finden und so die hohen Kosten für die Personalakquise besonders von Fach- und Führungskräften zu sparen.

Zeitarbeit bringt Menschen in Lohn und Brot. Dabei verdrängt sie zumindest teilweise auch die Stammbelegschaft. Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wurden zwischen 2005 und 2007 in etwa einem Viertel der Betrieben regulär Beschäftigte durch Leiharbeiter ersetzt.