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Vermögenswirksame Leistungen:Viele Arbeitnehmer verschenken Geld

Die staatliche Förderung wird häufig nicht genutzt.

(SZ vom 16.8.2003) Schon vor Einführung der Riester-Rente hat der Staat die Bildung von Vermögen gefördert: mit der so genannten Arbeitnehmer-Sparzulage, die es für vermögenswirksame Leistungen (vL) gibt. Das vL-Sparen (Kasten) bietet zahlreiche Vorteile - und dennoch verschenken viele Arbeitnehmer Jahr für Jahr aus Unwissenheit Geld.

Zwei Varianten

"Nur jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland nimmt vermögenswirksame Leistungen in Anspruch", schreibt die Fondsgesellschaft Union Investment in einer Studie. In Ostdeutschland nutzt sogar nur jeder Dritte diese Anlageform, obwohl dort wegen des niedrigeren Lohnniveaus die Chancen auf staatliche Förderung besonders groß sind.

Der Staat fördert das vL-Sparen mit der Arbeitnehmer-Sparzulage in zwei Varianten. Für eine Anlagesumme von bis zu 480 Euro pro Jahr gibt es zehn Prozent Sparzulage, wenn die Raten für so genannte "wohnwirtschaftliche Zwecke" verwendet werden.

Die zweite Fördervariante kommt denjenigen zu Gute, die auf Aktienfonds oder ähnliche unternehmerische Beteiligungen setzen. Hier liegt die Obergrenze für die jährlichen Sparraten bei 408 Euro, dafür gibt es 20 Prozent Sparzulage im Westen und 25 Prozent im Osten Deutschlands.

Beide Förderwege können kombiniert werden, so dass beim Einhalten der Einkommensgrenzen bis zu 888 Euro pro Jahr vom Staat subventioniert werden. Voraussetzung ist stets, dass sieben Jahre lang nicht auf das angesparte Guthaben zugegriffen wird - ansonsten erlischt außer in sozialen Härtefällen der Anspruch auf staatliche Förderung.

Zu den Sparformen mit "wohnwirtschaftlichem Zweck" des ersten Förderweges zählt als prominentester Vertreter der Bausparvertrag. Ob der Bausparvertrag auch wirklich zur Finanzierung von Baumaßnahmen dient, ist für die Förderung unerheblich. Nach Ablauf der siebenjährigen Sperrfrist kann das Guthaben frei verwendet werden, ohne dass die Arbeitnehmer-Sparzulage gefährdet ist.

Das gleiche gilt auch für die zehnprozentige Wohnungsbauprämie, die derzeit noch beim Bausparen für Einzahlungen außerhalb der vermögenswirksamen Leistungen bis 512 Euro bei Ledigen und 1024 Euro bei Verheirateten gewährt wird. Die Bundesregierung plant allerdings, diese Prämie zu Beginn des kommenden Jahres abzuschaffen. Das gelte aber nur für neu abgeschlossene Bausparverträge, stellt ein Sprecher des Bundesbauministeriums klar. "Auf Verträge, die noch in diesem Jahr abgeschlossen wurden, können aus Gründen des Vertrauensschutzes bis zum Jahr 2009 Wohnungsbauprämien fließen."

Speziell für vL-Sparer, die von vornherein nach der Sparphase auf das Bauspardarlehen verzichten, bieten einige Bausparkassen interessante Renditetarife an. Zwar haben Anbieter wie die Quelle-Bausparkasse oder die HUK Coburg den Zinsbonus beim Renditesparen in den letzten Wochen gesenkt. Dennoch bringen Verträge bei diesen Instituten oder auch bei der BHW mehr als sechs Prozent Rendite pro Jahr, wenn Anspruch auf Förderung besteht.

Eine weitere, nur wenig bekannte Alternative besteht darin, die vL-Raten direkt für die Tilgung eines normalen Baudarlehens mit zu verwenden und dafür ebenfalls zehn Prozent Zulage zu kassieren. Das Geld fließt dabei je nach Vertragsgestaltung als Sondertilgung oder als reguläre Zusatzrate auf das Darlehenskonto. "Die Banken bieten diese Variante meist nicht aktiv an, weil ihnen dann die Provision für die Vermittlung des Bausparvertrags entgeht", sagt Finanzexperte Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für den Kunden lohnt sich die Zusatztilgung jedoch meist eher, weil die eingesparten Kreditzinsen höher sind als die Zinsen für das Bausparguthaben.

Riskante Aktien

Langfristig höhere Renditechancen und bessere Förderkonditionen, aber auch ein höheres Anlagerisiko gibt es beim zweiten Förderweg - dem vL-Sparen mit Investmentfonds. Allerdings kommt nur eine begrenzte Zahl von Fonds in Frage, weil sie einen Aktienanteil von mindestens 60 Prozent vorweisen und den Einstieg mit niedrigen Monatsraten ermöglichen müssen. Selbst die großen Fondsgesellschaften bieten daher nur wenige vL-Fonds an.

In den letzten Jahren haben vL-Fondssparer allerdings oft rote Zahlen geschrieben. So zeigt die jüngste Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) vom 30. Juni, dass Aktienfonds über zehn Jahre betrachtet unter Berücksichtigung des Ausgabeaufschlags und ohne staatliche Förderung meist Verluste eingebracht haben.

Auch Kapitallebensversicherungen und Banksparpläne können für das vL-Sparen genutzt werden - allerdings gibt es dafür keine Sparzulage. "Diese Sparformen sind daher nur sinnvoll, wenn feststeht, dass kein Anspruch auf staatliche Förderung besteht", sagt Bieler.

Die Metaller haben beim Vermögensaufbau eine bessere Ausgangslage als Mitarbeiter anderer Branchen: Die Metall- und Elektroindustrie ergänzt die staatliche Sparzulage monatlich um 26,59 Euro. Trotz Förderung wurde jedoch beim Sparen mit Aktienfonds in der Vergangenheit oft Geld verbrannt.