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Unternehmerin des Jahres:"Das Lebenswerk meiner Eltern retten"

Als Alexandra Knauer den Betrieb ihrer Eltern übernahm, steckte die Firma tief in der Krise. Jetzt sieht es schon besser aus.

Alexandra Knauer war erst 28 Jahre alt, als sie 30 Mitarbeitern kündigen musste. Darunter Menschen, die sie aus Kindertagen kannte. Damals war sie noch als Mädchen im elterlichen Wohnhaus - das gleichermaßen als Betrieb diente - herumgetollt und hatte von allem Möglichen geträumt. Aber bestimmt nicht davon, einmal die von Herbert und Roswitha Knauer gegründete Firma für Labormessgeräte zu leiten oder gar Mitarbeiter zu entlassen. "Meine Eltern waren immer ein abschreckendes Beispiel", sagt die 44-Jährige. "Die haben ihr Leben lang sehr viel gearbeitet und Einschränkungen in Kauf genommen."

Alexandra Knauer, Foto: oh

"Ich wollte das Lebenswerk meiner Eltern retten": Jungunternehmerin Alexandra Knauer.

(Foto: Foto: oh)

Doch es kam anders. Wie bei vielen Mittelständlern, wenn die zweite Generation übernimmt. Knauer hatte Betriebswirtschaft in Berlin studiert und einen ersten Job in einem anderen Betrieb angetreten. Das war 1994 und die Knauer GmbH in Berlin-Zehlendorf schlitterte voll in die selbstgemachte Krise: Etliche Messgeräte waren veraltet, wichtige Kunden aus den Ostblockstaaten orderten nicht mehr, die Umsätze schrumpften. Knauers Mutter musste sich nach schwerer Operation aus der Leitung zurückziehen und auch ihr Bruder - der Kronprinz - fiel aus gesundheitlichen Gründer aus.

Da rückte sie als das dritte von vier Kindern vor und übernahm den Posten der Geschäftsführerin, neben ihrem Vater. "Ich wollte das Lebenswerk meiner Eltern retten", sagt die Diplomkauffrau. Im ersten Schritt reduzierten Vater und Tochter damals die Belegschaft auf 50 Beschäftigte. Zu dieser Zeit setzte die Gesellschaft sechs Millionen Mark um und machte Verluste. Bis zu einem erneuten Gewinn sollten Jahre vergehen.

Fitnesstrainerin im Betrieb

Sieben Tage die Woche krempelte die neue Chefin fortan die Firma um. Der Vater hatte als Chemiker vor allem die Lasermessgeräte im Blick gehabt: Gebraucht werden die Geräte weltweit für Analysen in der chemischen und pharmazeutischen Forschung. Die Tochter verabschiedete sich derweil vom eher patriarchalischen Führungsstil. Mehr Freiraum für Einzelne, veränderte Strukturen, ein neues Qualitätsmanagement: Alexandra Knauer brach etliche Tabus - und musste sich mit dem Vater auseinandersetzen. "Ich wäre nicht erfolgreich gewesen, wenn ich gesagt hätte, ich will immer die brave Tochter sein." Vater und Tochter holten sich einen Berater ins Haus, dieser glättete die Emotionen, begleitete die Veränderungen und sorgte dafür, dass Tochter Knauer mehr Macht bekam.

Die Wende kam im Jahr 2000. Die Knauer GmbH arbeitete wieder profitabel, und Gründer Herbert Knauer übertrug seiner Tochter die volle Verantwortung. Mit 34 Jahren wurde Alexandra Knauer zur Alleininhaberin, obwohl sie just das erste von zwei Kindern geboren hatte. Knauer hängte sich rein, doch 2005 gab es eine erneute Wachstumsdelle, seither klettern die Erlöse wieder. Im Krisenjahr 2009 haben die inzwischen mehr als hundert Mitarbeiter den Umsatz sogar gegen den rückläufigen Branchentrend um zwei Prozent auf 17,3 Millionen Euro gesteigert. Die Firma exportiert die meisten Produkte in 70 Länder weltweit, wichtigste Märkte sind Deutschland, die USA und China.

Innovationskraft, motivierte Mitarbeiter und ökologisches Denken sind der Unternehmerin wichtig. Dafür hat sie sich als Chefin einiges ausgedacht: Zweimal die Woche etwa kommt eine Fitnesstrainerin in den Betrieb, bei Geburt und Hochzeit gibt es Geldgeschenke, für die Kinder von Angestellten wird eine Betreuung organisiert. Als Gebäude und Abläufe modernisiert wurden, wurde der CO2-Ausstoß der Firma gesenkt.

Für diese Leistungen wurde Knauer bereits geehrt, nun gesellt sich ein Preis dazu: Am Montag wählte sie das Champagnerhaus Veuve Clicquot zur "Unternehmerin des Jahres 2010" und zeichnete zum fünfundzwanzigsten Mal eine Frau für "ihren unternehmerischen Elan, ihren Wagemut und ihre herausragenden Leistungen" aus.

© SZ vom 04.05.2010/tob
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