Uni Witten-Herdecke Rettung in letzter Minute

Deutschlands älteste Privat-Uni bleibt selbstständig. Eine Beratungsgesellschaft investiert zwölf Millionen Euro.

Deutschlands älteste und größte Privatuniversität Witten/Herdecke ist in letzter Sekunde vor der Abhängigkeit von Wirtschaftsunternehmen gerettet worden. Am Mittwochabend konnte die Uni einen Unterstützer präsentieren, der die finanziell angeschlagene Hochschule mit zwölf Millionen Euro wieder auf Kurs bringen will. Bis dahin hatte sich die nordrhein-westfälische Universität schon auf eine Übernahme durch ein Konsortium, angeführt von der Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH), vorbereitet. Der private Klinik- und Fachhochschulbetreiber SRH wollte zusammen mit Partnern 23 Millionen Euro investieren und die Universität auf einen wirtschaftlichen Kurs bringen, den viele Studenten abgelehnt hatten.

"Wir wollen die Unabhängigkeit der renommierten Privatuniversität gewährleisten": Die Düsseldorfer Familie Droege investiert 12 Millionen Euro.

(Foto: Foto: Witten-Herdecke)

Die Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Droege will nun zwölf Millionen Euro in den laufenden Haushalt schießen und erhält für die Unterstützung wohl einen Sitz im Stiftungsrat, einer Art Aufsichtsrat. Die Tagesgeschäfte wird voraussichtlich ein Vorstand lenken, der aus Hochschulangehörigen besteht. Im Stiftungsrat sitzen den Plänen nach frühere Gesellschafter wie August Oetker. Dazu kommen wohl auch ehemalige Studenten sowie einige Senatsmitglieder.

Die Hochschule war in den achtziger Jahren mit dem Anspruch gegründet worden, Studenten nicht nur fachlich, sondern vor allem auch menschlich reifen zu lassen.

In den vergangenen Tagen wurden Reformen beschlossen: Die Zahl der Studierenden soll in den nächsten sieben Jahren von 1200 auf 2400 verdoppelt werden. Die Studiengebühren sollen steigen, und es werden Studienangebote gekürzt. Das Institut für Musiktherapie wird wegen zu hoher Kosten geschlossen. Die Biochemie wird in die medizinische Fakultät integriert und von zehn auf vier Lehrstühle verkleinert.

Die Einnahmen aus Studiengebühren sollen von derzeit 2,5 Millionen auf später 12 Millionen Euro steigen. Derzeit kostet ein Studium in Witten/Herdecke je nach Fachrichtung zwischen 7000 und 50.000 Euro. 7000 Euro kostet die Biochemie, 50 000 die Zahnmedizin. Dazwischen bewegen sich günstigere Fächer wie Pflegewissenschaften oder Philosophie oder kostspieligere wie die Medizin. Über die Nachfrage brauchen sich die Wittener wenig Gedanken zu machen. Die Kultusministerkonferenz geht von steigenden Studentenzahlen aus.

Mit der Verdoppelung der Studentenzahl will die Privatuniversität Witten/Herdecke ihre Vorrangstellung unter den 63 privaten Hochschulen, zumeist Fachhochschulen, in Deutschland stärken. Zu den größten Einrichtungen zählen noch die Jacobs-Universität in Bremen mit 1000 Studenten und die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz mit 900 Studenten. An der SRH- Hochschule Heidelberg sind 1600 Studierende eingeschrieben.