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Studiengang:Meister fürs All

Zum Raumschiff-Bau nach Unterfranken: Im Wintersemester startet in Würzburg der Elitestudiengang "Space Master".

Rund 100 ausgewählte Studenten aus der ganzen Welt können im unterfränkischen Würzburg bald lernen, wie man ein Raumschiff baut. Im kommenden Wintersemester startet an der Julius-Maximilians-Universität der europäische Elitestudiengang "SpaceMaster", eine Zusammenarbeit von Universitäten in Schweden, England, Frankreich, Tschechien, Finnland. An jeder der teilnehmenden Hochschulen gibt es dabei spezialisierte Studienschwerpunkte, die die ganze Breite der Weltraumtechnologie abdecken. Der Nachwuchs wird der Universität zufolge benötigt, weil viele Weltraumpioniere in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

Klaus Schilling, Professor am Institut für Informatik an der Universität in Würzburg, zeigt seinen Studenten den Kleinsatelliten 'UWE-1', der im Juni in die Erdumlaufbahn geschossen wird.

(Foto: Foto: ddp)

Das Studium der Weltraumforschung und Raumfahrttechnik mit Abschluss "SpaceMaster" dauert zwei Jahre. Zunächst kommen alle Studenten für das erste Semester nach Würzburg und erhalten dort einen Überblick unter anderem über das Design von Raumschiffen, Datenübertragung und -verarbeitung an Bord und die Flugbahnberechnung. "Zudem berichten Experten von Raumfahrtorganisationen und aus der Raumfahrtindustrie direkt aus der Praxis", kündigt der Würzburger Informatik-Professor Klaus Schilling an. Im zweiten Semester geht es dann für alle an die schwedische Luleå University of Technology in Kiruna, nördlich des Polarkreises, die sich auf Sensorik spezialisiert hat.

Für das dritte und vierte Semester wählen die Studenten ihren Schwerpunkt an einer der sechs Partneruniversitäten aus. Für Steuerungs- und Regeltechnik geht der Weltraumstudent nach Prag, für Astrophysik nach Toulouse und für Robotik zurück nach Würzburg. Der Master-Abschluss wird am Ende an der Universität abgelegt, an der der Studienschwerpunkt liegt.

"Unser Studiengang ist so international wie die Weltraumindustrie", schwärmt Schilling. Darin läge der Vorteil des "SpaceMasters". Die Studenten könnten schon während des Studiums internationale Verbindungen knüpfen und so "wertvolle Erfahrungen sammeln". Deshalb richte sich der Studiengang an "hervorragende Studenten aus der ganzen Welt". Knapp ein Drittel der Studienplätze wird an Studenten aus Nicht-EU-Ländern vergeben. Die Bewerbungsfrist für europäische Studenten läuft noch.

Nichts für Anfänger

Der Elitestudiengang "SpaceMaster" wird durch das Programm Erasmus-Mundus der Europäischen Union gefördert. Der Andrang bei der Ausschreibung der Förderung war dabei groß, 139 Studiengänge in Europa bewarben sich für das Programm, nur 17 wurden ausgewählt, darunter Studiengänge für Ethik, Nano-Wissenschaften und Journalismus. Die Studenten erhalten daraus ein Stipendium von bis zu 1700 Euro monatlich. Das klingt zunächst viel, relativiert sich aber dadurch, dass davon auch die Studiengebühren bezahlt werden müssen.

Zudem ist die Förderung der EU nur eine Anschubfinanzierung, später soll sich der "SpaceMaster" über Studiengebühren weitgehend selbst tragen. Bewerber sollten nach Angaben der Würzburger Universität mindestens einen Bachelor-Abschluss haben. Da es den Bachelor in Deutschland noch nicht flächendeckend gibt, müssen Studenten zumindest ein "sehr gutes Vordiplom und zwei weitere Fachsemester in Naturwissenschaften oder Technik haben", sagt Schilling. Darüber hinaus gehören natürlich auch eine Begeisterung fürs Thema, außerordentliches Engagement, gute natur- oder ingenieurwissenschaftliche Grundlagen und selbstverständlich sehr gute Englischkenntnisse dazu, da sämtliche Vorlesungen in Englisch gehalten werden.

Nach dem Studienabschluss winken "gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz in der Raumfahrtindustrie und bei Raumfahrtorganisationen", ist sich Schilling sicher. Schließlich ginge ein Weltraumpionier der ersten Stunde nach dem anderen in den Ruhestand, "da besteht großer Ersatzbedarf".

© ddp, David Rollik
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