Sprachen lernen Chinesisch für Anfänger

Sabine Schlieper unterrichtet Chinesisch am Hainberg-Gymnasium in Göttingen. Kürzlich hat sie beim Kultusministerium Niedersachsen erreicht, dass das Fach an ihrer Schule zur Abiturprüfung zugelassen wird. "Leider habe ich an meiner Schule keine entsprechenden Kollegen", erzählt sie. Wenn sie ihren Schülern die Abiturprüfung abnehmen soll, wird sie sich Lehrkräfte von anderen Schulen als Zweitkorrektoren ausleihen müssen. Da es keine einheitliche Ausbildung gibt, sind auch die Angebote der einzelnen Schulen unterschiedlich - welche Lehrkräfte überhaupt als Zweitkorrektoren in Frage kommen, ist unklar. Einige unterrichten Chinesisch als Arbeitsgemeinschaft, andere als Wahlfach und nur wenige als reguläre zweite oder dritte Fremdsprache mit Abiturmöglichkeit.

Im zentralistischen Frankreich ist das anders. "Dort ist Chinesisch etwa doppelt so stark vertreten wie hier. Es gibt ein zentrales Ministerium, das Direktiven geben kann", sagt Andreas Guder vom Fachverband. In Deutschland hingegen ist Bildung Ländersache, und "deshalb gibt es in jedem Bundesland unterschiedliche Überlegungen", so Liu Jinghui von der chinesischen Botschaft.

50.000 Schriftzeichen

Bei allen Erwartungen an das zukunftsträchtige Schulfach darf man eines nicht vergessen: Leicht ist die Sprache nicht, denn sie hat mit dem Deutschen nichts gemein. Das Prinzip des Chinesischen ist nicht einmal so schwer, eine komplizierte Grammatik wie bei den europäischen Sprachen gibt es nicht. Nach vier Monaten Unterricht kommt man im chinesischen Alltag schon einigermaßen durch. So sieht das auch die 16-jährige Astrid: "Die Grammatik ist total einfach - nicht wie bei Französisch. Das hab ich übrigens abgewählt."

Mühe macht die Schrift. Insgesamt existieren mehr als 50 000 verschiedene Schriftzeichen. Selbst Muttersprachler beherrschen nur etwa 8000 davon; um Zeitung zu lesen, reichen ungefähr 5000 Zeichen aus. Für Anfänger ist das immer noch ein enormer Wust winzigkrummer Striche - und da hilft es zunächst wenig, dass die Schriftzeichen aufeinander aufbauen. Richtig knifflig wird es bei der Aussprache: Oft hat ein Satz oder ein Wort, falsch ausgesprochen oder nicht korrekt betont, eine komplett andere Bedeutung - oder wird anstatt als Aussage plötzlich als Frage verstanden.

Im St.-Anna-Gymnasium hat sich die Tafel inzwischen vollständig mit Schriftzeichen gefüllt. Einmal muss die Lehrerin eingreifen, weil ein kleiner Querstrich fehlt. So wird aus dem Substantiv "Kleidung" plötzlich das Verb "wünschen". . . Bis zum Karrieresprung nach Asien wird es noch ein Weilchen dauern.