Schlagfertigkeit "Sagen Sie keinen Ton"

Was entgegnet man der fauchenden Kollegin oder dem schlecht gelaunten Chef? Witzige Konter und Schlagfertigkeiten lassen sich lernen.

Ähnliche Situationen kennt wohl jede Frau: Die Kollegin betritt morgens das Büro und grüßt mit einem "Ihr Friseur hat ja richtig daneben gelegen". Die Angesprochene wird rot und schnappt nach Luft, fünf Minuten später fällt ihr die passende Antwort ein - aber dafür ist es längst zu spät. Sprachlosigkeit ist jedoch kein Schicksal - Schlagfertigkeit lässt sich lernen.

Wie kann man auf unfaire Angriffe reagieren? "Sagen Sie keinen Ton."

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Schlagfertigkeit bedeutet mehr, als ein paar witzige Sprüche anzubringen. Es geht darum, die eigene Souveränität zu schützen, sagt Matthias Nöllke aus München, der mehrere Bücher zu dem Thema geschrieben hat. Auf einen Seitenhieb gilt es dann zu reagieren, "ohne den anderen mit einem Spruch mundtot zu machen", sagt Carolin Lüdemann, Karriereberaterin aus Stuttgart. "Ziel ist, auf eine angemessene Ebene zurückzukommen."

Doch das ist nicht einfach: Faucht die Kollegin bei einer Besprechung "Sie haben ja mal wieder gar nichts verstanden!", schießt der Angegriffenen schnell das Blut in den Kopf, und sie stammelt Worte der Rechtfertigung. Wer jedoch lang und breit seine Gründe ausführt, gerät automatisch in die schwache Position des Verteidigers, warnt Stéphane Etrillard, Führungskräfte-Trainer vom Management Institut SECS in Düsseldorf. "Durch einen unfairen Angriff sollte man sich nicht in diese Rolle drängen lassen."

Einfach mitlachen

Der größte Irrglaube ist, dass ein Konter besonders witzig sein muss. Schlagfertigkeit fange damit an, überhaupt irgendetwas zu sagen - und zwar mit der richtigen Haltung, erklärt Nöllke. Oft reiche schon ein "Dazu fällt mir jetzt wirklich nichts ein" oder ein "Da muss ich jetzt erst mal drüber nachdenken" aus.

Eine gute Taktik ist, anders zu reagieren, als der Angreifer es erwartet. Muss sich eine Frau von einem Kollegen anhören "Ihr Frauen könnt ja nicht einparken", kann Sie das Klischee aufgreifen und noch verstärken: "Dafür können Sie jetzt nicht mehr ausparken. Ich stehe neben ihrem Wagen!", rät Nöllke. Oder der Angegriffene lacht über einen Witz auf seine Kosten einfach mit, fügt aber an "Na, das war aber nicht der Witz des Jahrhunderts!"

Eine andere Möglichkeit ist, gar nichts zu sagen. "Sie tun so, als hätten Sie die Bemerkung nicht wahrgenommen und reden einfach weiter", rät Lüdemann. Oder die Angegriffene bleibt stumm, nickt dem Angreifer zu, lächelt und fährt dann mit ihrer Arbeit fort, als wäre nichts geschehen. "Sagen Sie keinen Ton und erklären Sie ihre Reaktion niemals!"

Gegenangriffe probieren

Doch was unterscheidet dieses Schweigen von der hilflosen Suche nach geeigneten Worten? "Es ist die bewusste Entscheidung dafür", sagt Lüdemann. Statt sich mit hohen Erwartungen selbst unter Druck zu setzen, raten die Experten, langsam zu üben. "Benutzen Sie am Anfang erst mal unspektakuläre Sätze als Erwiderung wie "Gut erkannt" oder "Das müssen Sie mir erklären"", rät Nöllke.

Wer damit gute Erfahrungen gemacht hat, kann den Gegenangriff probieren - Nöllkes Lieblingsvariante: "Jemand greift Sie an, aber Sie drehen den Spieß einfach um." Nöllke nennt ein klassisches Beispiel: Der britische Premierminister Churchill bekam bei einer Abendgesellschaft von einer Lady Astor zu hören: "Wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich Ihnen Gift geben." Churchill konterte: "Und wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich es nehmen."