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Rausschmiss-Hilfe bei der Barmer:Kündigung via Krankenkasse

Die Ersatzkasse Barmer bot im Internet einen Service der besonderen Art: Sie stellte Firmen vorformulierte Kündigungsschreiben für Schwangere, Mütter und Behinderte zur Verfügung.

Das Schreiben der Barmer Ersatzkasse kommt direkt auf den Punkt: "Betreff: Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses." Der Mustertext sollte ein Service für Arbeitgeber sein und ihnen die Kommunikation mit ihren Mitarbeitern erleichtern. "Kündigung einer Schwangeren oder Mutter" war das Schreiben betitelt, ein anderes lieferte den Text zur "Kündigung eines Schwerbehinderten".

schwanger, dpa

Schwangere genießen besonderen Kündigungsschutz.

(Foto: Foto: dpa)

Die Formulare fanden sich bis Dienstagabend auf den Internetseiten der Barmer Ersatzkasse, Unternehmen konnten sie mit einem Klick herunterladen. Arbeitsrechtlich sind die Texte zwar nicht zu beanstanden, denn in den Vordrucken weist die Versicherung ordnungsgemäß auf den besonderen Kündigungsschutz von Müttern, Schwangeren und Schwerbehinderten hin. Trotzdem führt es zu Verwunderung, dass eine Kasse, die Arbeitnehmer versichert, Musterformulare zur Kündigung bereitstellt.

Missverständlicher Service

"Das ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen", sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. "Die Versicherten sind die Schutzbefohlenen der Barmer. Doch damit fällt die Kasse ihnen in den Rücken."

Bei der Barmer Ersatzkasse kann man die Aufregung durchaus nachvollziehen: "Wir haben mit dem Angebot eine gute Absicht verfolgt", sagte ein Sprecher. "Doch die Umsetzung war schlecht." Mit den Hinweisen auf das Mutterschutzgesetz und das Schwerbehindertengesetz habe man den Arbeitnehmern signalisieren wollen, dass eine Kündigung nicht so einfach möglich sei. "Offensichtlich ist der Service aber missverständlich. Das tut uns leid."

Hilfe für Kleinbetriebe

Wie lange die umstrittenen Formulare bereits auf der Homepage der Barmer Ersatzkasse standen, weiß man dort nicht so genau. Aber bisher habe es keinerlei Beschwerden gegeben. "Es ist in unserem Interesse, reibungslos mit den Arbeitgebern zusammenzuarbeiten", erklärte der Barmer-Sprecher. Die Idee sei gewesen, besonders Kleinbetrieben mit solchen Angeboten zu helfen.

Die Formulare hat die Barmer inzwischen entfernt. Doch dafür, das die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern weiterhin reibungslos läuft, sorgen die übrigen Angebote auf der Internetseite: Formulare zur "Einbehaltung der Vergütung" oder Aufhebungsverträge stehen dort immer noch - für alle Unternehmen, die ihre Mitarbeiter schnell und sauber kündigen möchten.

© sueddeutsche.de/vw
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