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Miese Tricks der Chefs:Skrupellos und machtfixiert

Mobben, meckern, manipulieren: sueddeutsche.de zeigt die gängigsten Strategien, mit denen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter ausbooten - und sagt, wie man sich wehrt.

Julia Bönisch

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Eigentlich ist es eine Binsenweisheit: Mitarbeiter, die gelobt, fair behandelt und nicht allzu schlecht bezahlt werden, sind engagierter und fleißiger. Sie schieben sogar freiwillig Überstunden und sind deshalb auch gut für das Unternehmen. Dennoch meinen viele Chefs, ihre Untergebenen aus der Reserve locken zu müssen - und greifen dafür gern auf miese Tricks zurück. Die Juristin und Karriereberaterin Carmen Schön hat die gängigsten Firmenstrategien aufgelistet, mit denen Angestellte ausgebootet werden ("Die geheimen Tricks der Arbeitgeber"; Eichborn Verlag). Auf sueddeutsche.de erklärt sie, wie man sich dagegen wehrt.

Trick eins: Ein Manager wird zum Mitarbeiter - der Arbeitsplatz ist falsch betitelt

Was steckt dahinter?

Sowohl im Vorstellungsgespräch als auch bei der Gehaltsverhandlung können die meisten Bewerber noch gar nicht überblicken, welche Aufgaben konkret zu ihrem neuen Arbeitsbereich gehören. Dieses Unwissen nutzt der Arbeitgeber aus - und verschweigt wichtige Details wie etwa Personal- und Budgetverantwortung. So wird aus einer Leitungsfunktion klammheimlich ein allgemeiner Posten, und das schlägt sich im Gehalt nieder. "Der Mitarbeiter erbringt schlicht mehr Leistung, als vertraglich vereinbart wurde", erklärt Carmen Schön. "Das Gehalt im Nachhinein anzupassen, ist in den meisten Fällen schwierig."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Die Karriereberaterin rät dennoch, nachzuverhandeln - und im besten Fall eine Gehaltserhöhung nach der Probezeit herauszuschlagen. "Zudem sollte man alle Vereinbarungen schriftlich fixieren, denn mündliche Absprachen sind für den Vorgesetzten nie bindend", sagt Schön. Und für künftige Bewerbungen gilt: Wer um eine schriftliche Stellenbeschreibung bittet, ist vor unangenehmen Überraschungen sicher.

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Trick zwei: Erst mal einen Fuß in die Tür bekommen - ein unbezahltes Praktikum als Lockangebot

Was steckt dahinter?

Das Motiv des Arbeitgebers ist so einfach wie durchschaubar: Auf diese Weise verhilft er dem Unternehmen zu einer kostenlosen Arbeitskraft. Diese Vorgehensweise ist mittlerweile an der Tagesordnung, was besonders Berufsanfänger zu spüren bekommen. Nach Schätzungen der Gewerkschaften ist etwa die Hälfte der Praktika, die nach Abschluss des Studiums oder einer Ausbildung absolviert werden, unbezahlt. Drei Viertel dieser Praktikanten versichern, überwiegend als normale Arbeitskraft eingesetzt worden zu sein.

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Ob ein Berufseinsteiger solch ein Angebot akzeptieren sollte, hängt ganz von den Alternativen ab: Ist weit und breit kein Job in Sicht, was bei der momentanen Arbeitsmarktlage durchaus sein kann, sollte er das Praktikum nicht unbedingt ausschlagen. Statt eines Gehalts kann er vom Arbeitgeber jedoch andere Zusatzleistungen verlangen: "Ein kostenloser Kantinenbesuch oder die Übernahme der Fahrtkosten können den Lohn zwar nicht ersetzen, sind aber immer noch besser als gar nichts", sagt Karriereberaterin Schön. "Eine Alternative dazu ist eine Provision, die die Firma im Erfolgsfall zahlt - etwa, wenn der Praktikant einen tollen Beitrag zu einem Projekt leistet."

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Trick drei: "Mal schauen, wie es weitergeht" - Arbeitsverträge werden permanent befristet

Was steckt dahinter?

Mit einer Befristung will der Arbeitgeber größtmögliche Flexibilität erreichen - um den Mitarbeiter im Ernstfall schnell wieder loswerden zu können. Oft begründet er die Befristung jedoch mit einem anderen Argument: Die Firma müsse den Mitarbeiter erst einmal kennenlernen, bevor sie sich definitiv und dauerhaft für ihn entscheide.

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

"Nur, indem er sich über die Rechtslage gut informiert", sagt die Juristin Carmen Schön. So können Arbeitsverträge ohne Sachgrund befristet und bis zu drei Mal ohne Unterbrechung verlängert werden. Insgesamt darf die Befristung dabei jedoch nicht länger als zwei Jahre dauern. "Trotzdem sind sogenannte Kettenverträge üblich", erklärt Schön. "Dann bleibt nur, den Vertrag gerichtlich überprüfen zu lassen. Allerdings wird dieser Schritt das Arbeitsklima enorm verschlechtern."

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Trick vier: "In spätestens einem Jahr sind Sie Abteilungsleiter" - eine versprochene Beförderung wird nie eingelöst

Was steckt dahinter?

Eine ordentliche Gehaltserhöhung oder ein spannendes Projekt - beides kann Mitarbeiter enorm anspornen. Trotzdem sind viele Chefs nicht bereit, interessante Aufgaben abzutreten oder mehr Geld zu zahlen. Also suchen sie andere Mittel und Wege, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Eine in Aussicht gestellte Beförderung kann da wahre Wunder wirken: Sie weckt bei vielen den Ehrgeiz und treibt sie zu Höchstleistungen an. Verspricht ein Vorgesetzter eine Leitungsfunktion, heißt dies jedoch noch lange nicht, dass der Posten auch tatsächlich besetzt wird.

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Wer darauf pocht, Versprechungen schriftlich zu fixieren, hat in Zielvereinbarungsgesprächen ein gutes Argument auf seiner Seite. "Auf solche Gespräche sollte man im Übrigen selber drängen", rät Carmen Schön. "Wer passiv darauf wartet, dass der Chef kommt, wird nie seine Chance bekommen." Stattdessen sollten Mitarbeiter aktiv an ihrer Laufbahn arbeiten, Karrierepläne erstellen und dem Vorgesetzten immer wieder signalisieren, wie interessiert sie an Weiterbildungen und dem nächsten Schritt nach oben seien.

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Trick fünf: Sie sind jung und brauchen das Geld - junge, unerfahrene Mitarbeiter werden gezielt ausgebeutet

Was steckt dahinter?

"In vielen Unternehmen arbeiten nur Mitarbeiter zwischen Mitte 20 und Mitte 30", berichtet Carmen Schön. "Das Kalkül dahinter lautet: Diese Menschen kosten wenig und arbeiten viel - denn sie geben sich als Berufseinsteiger mit einem niedrigen Gehalt zufrieden und haben noch keine Familie, die Zeit beanspruchen könnte." Um ihre Mitarbeiter trotz schlechter Bezahlung halten zu können, setzen die Unternehmen dann auf emotionale Bindungsfaktoren: ein Kickertisch im Gemeinschaftsraum, gemeinsame Feierabendaktivitäten oder Pizza für alle. "Der Trick klappt oft. Anstatt bei einem Unternehmen mit fairer Bezahlung anzuheuern, lässt sich der Nachwuchs ausnutzen - denn die Atmosphäre im Büro ist ja so nett."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

"Im ersten Job kann es durchaus in Ordnung sein, erst einmal für weniger Geld zu arbeiten. Doch man sollte die Arbeitsbedingungen immer wieder überprüfen." Wer also nach mehreren Jahren noch immer mit Pizza statt mit Bonus entlohnt wird, dem bleibt nur der Wechsel in ein anderes Unternehmen.

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Trick sechs: Wer um 19 Uhr geht, hat nur einen Halbtagsjob - Überlastung durch viel zu viel Arbeit

Was steckt dahinter? "Wer nur damit beschäftigt ist, den riesigen Stapel auf seinem Schreibtisch abzuarbeiten, hat keine Zeit für anderes - und wird nicht aufmüpfig", erklärt Karriereberaterin Schön. Mitarbeiter, die mit Arbeit überhäuft werden, kommen also nicht darauf, eine Gehaltserhöhung zu verlangen, Schwachstellen in der Organisation anzuprangern oder gar die Führungskompetenz der Chefs in Frage zu stellen.

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren? 60 - 30 - 10, so lautet die Formel gegen Überarbeitung: "Jeder sollte sich klar machen, dass seine Karriere nicht nur von seiner Leistung abhängt", erklärt Schön. "Vielmehr werden 60 Prozent von der Bekanntheit im Unternehmen beeinflusst, 30 Prozent vom Auftreten, und nur zehn Prozent von der tatsächlichen Arbeit." Dass der Stapel am Ende des Arbeitstages tatsächlich abgearbeitet ist, ist also ziemlich nebensächlich.

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Trick sieben: "Wir sind doch eine große Familie" - das Spiel mit den Emotionen

Was steckt dahinter?

Wer täglich acht Stunden oder mehr an seinem Arbeitsplatz verbringt, dem ist Geld allein selten genug. Die meisten Menschen wollen im Beruf nicht nur materiell entlohnt werden, genauso wichtig sind ihnen Wertschätzung, Autonomie und Entscheidungsfreiheit, das Gefühl der Zugehörigkeit zum Unternehmen und ein hoher sozialer Status. "Mit jedem dieser emotionalen Grundbedürfnisse kann ein geschickter Chef spielen: Das Bedürfnis nach sozialem Status etwa wird durch ein schönes Büro oder einen tollen Dienstwagen angesprochen - aber nicht komplett befriedigt, weil es noch schönere Büros oder größere Dienstwägen gibt", erklärt Carmen Schön. "So ist der Mitarbeiter zwar zufrieden, hat aber immer noch Ehrgeiz, mehr erreichen zu wollen."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Gegen Manipulationen hilft nur, sich selbst zu kennen: Wie viel Anerkennung brauche ich, wie wichtig ist mir sozialer Status? "Mitarbeiter, die sich über ihre eigenen Bedürfnisse im Klaren sind, durchschauen emotionale Spielchen schneller", sagt Carmen Schön. "Und es ist natürlich nicht immer negativ, wenn eine Firma ihren Mitarbeitern das Gefühl von Wertschätzung und Autonomie vermittelt."

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Trick acht: "Sie Null" - Mitarbeitern das Gefühl vermitteln, sie seien unfähig

Was steckt dahinter?

Von subtilen Bemerkungen bis hin zu Runterputzen vor versammelter Mannschaft - die Bandbreite der Praktiken ist groß. Dahinter stecken zwei Strategien: Wessen Selbstwertgefühl auf diese Weise angegriffen wird, gibt keinen Widerspruch - und traut sich erst recht nicht, um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Darüber hinaus wird der Ehrgeiz angestachelt: "Hat ein Mitarbeiter das Gefühl, nicht genug zu leisten, engagiert er sich umso mehr."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Wer über Wochen oder sogar Monate immer wieder auf diese Weise angegriffen wird, sollte seinen Vorgesetzten konkret auf angebliche Fehler ansprechen. Im persönlichen Gespräch stellt sich dann häufig heraus, dass die Arbeit des Mitarbeiters sehr wohl geschätzt wird - und die Verunsicherung zur Taktik des Vorgesetzten gehört. "Ist das nicht der Fall, hilft nur eines: sich einen neuen Job suchen", sagt Carmen Schön.

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Trick neun: "Die Konkurrenz zahlt mies und behandelt die Mitarbeiter schlecht" - die Geschäftsführung verbreitet falsche Informationen über andere Firmen

Was steckt dahinter?

Entweder wird die Konkurrenz in allzu rosigen Farben gemalt ("Umsatz und Gewinn sind höher, die Firma steht viel besser da."). Dann sollen die Mitarbeiter angestachelt werden, noch mehr Leistung zu bringen. Oder der Wettbewerber wird schlecht geredet ("Das Gehalt ist niedrig und die Atmosphäre schrecklich."). Damit signalisiert die Geschäftsführung des eigenen Unternehmens, wie gut es die Mitarbeiter doch haben. Wechselwillige werden so von der Jobsuche abgehalten. "Das Ziel ist die Bindung der Mitarbeiter auf niedrigem Niveau."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Kursieren Gerüchte über die Konkurrenz, sollten Mitarbeiter nicht an den Lippen der Geschäftsführung hängen, sondern die Informationen einem Realitätscheck unterziehen. "Das ist eigentlich ganz simpel", erklärt Carmen Schön. "Doch viele Mitarbeiter sind schlicht zu faul, sich selbst schlau zu machen."

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Trick zehn: Es kann nur einen geben - doppelt besetzte Positionen

Was steckt dahinter?

Zwei Leiter für einen Bereich - das kann eigentlich nicht gutgehen. Schürt ein Chef trotzdem auf diese Weise den internen Konkurrenzkampf, ist meist schon vorher klar: Nur einer der beiden Mitarbeiter wird langfristig im Unternehmen bleiben. Wer im Wettstreit unterliegt, kündigt meist von selbst. Dahinter stecken entweder Entscheidungsschwäche, oder - als bewusste Taktik - das Anstacheln zu Höchstleistungen. Schließlich müssen beide Kandidaten permanent den anderen überbieten.

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

"Im Idealfall verbünden sich die beiden Gegner und entscheiden sich bewusst dafür, dass Spiel der Geschäftsführung nicht mitzuspielen", sagt Carmen Schön. Dann könne man auch den Vorgesetzten direkt auf die von außen aufgezwungene Konkurrenzsituation ansprechen und ihn darum bitten, für Klarheit zu sorgen. Spielt der Gegenpart jedoch nicht mit, bleibt nur, den Kampf sportlich aufzunehmen: "Wer dann in den Augen der Geschäftsführung jedoch nicht der Bessere ist, sollte sich umorientieren."

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Trick elf: Wer hat wem was zu sagen? - Chaos im Organigramm

Was steckt dahinter?

Wer hat das letzte Wort in Personalfragen, wer gibt eigentlich das Budget frei und entscheidet über Projektanträge? So lange all diese Fragen nicht eindeutig beantwortet werden können, bleibt Führungskräften nichts anderes übrig, als immer wieder zum obersten Chef zu gehen - bei dem auf diese Weise die komplette Macht im Unternehmen liegt. Nicht nur Mitarbeiter, sondern auch höher gestellte Manager werden durch Chaos im Organigramm also systematisch kleingehalten. "Die Angestellten werden auf Arbeitsbienen reduziert", erklärt Karriereberaterin Schön.

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

"Nur, indem er explizit Klarheit vom Vorgesetzten einfordert", erklärt die Juristin. Mitarbeiter sollten den Chef also nicht aus der Verantwortung entlassen, sondern Bekenntnisse und deutliche Strukturen einfordern. - im Notfall auch schriftlich. Ist ein Organigramm schwarz auf weiß aufgezeichnet, kann sich jeder darauf berufen.

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Trick zwölf: Nichts ist unmöglich? - Verteilen unlösbarer oder unattraktiver Aufgaben

Was steckt dahinter?

Berichte anfertigen, die nie jemand liest, Zahlenkolonnen aufstellen, Statistiken auswerten für nichts und wieder nicht, oder einfach nur die Ablage erledigen: Die Phantasie bei der Verteilung unnützer Aufgaben kennt keine Grenzen. Ebenso unangenehm sind schier unmögliche Aufträge, wie das Stemmen riesiger Projekte binnen kürzester Zeit oder völlig unrealistische Umsatz- und Gewinnvorgaben. "Damit möchte das Unternehmen den Mitarbeiter mürbe machen und ihn zur Kündigung drängen", erklärt Schön. "Denn auf Dauer ist kaum jemand bereit, sich den ganzen Tag mit solchen Dingen zu beschäftigen."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Die Karriereberaterin rät, Vorgesetzte immer nach dem sachlichen Hintergrund für solche Arbeitsaufträge zu fragen - und auf Konfrontation zu gehen, wenn ein Chef diesen Hintergrund nicht liefern kann. "Wird es trotzdem zur Regel, dass ein Mitarbeiter solch unangenehme Jobs erledigen muss, sollte er sich darauf konzentrieren, eine möglichst hohe Abfindung herauszuhandeln."

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Trick 13: Der Meier hat immer ein offenes Ohr - Kollegen werden als Spitzel eingesetzt

Was steckt dahinter?

Im Team gemeinsam über den Chef zu schimpfen, schafft Erleichterung und schweißt zusammen. Doch Vorsicht: Ein Kollege könnte auf die Idee kommen, beim Vorgesetzten zu petzen und sich auf Kosten anderer zu profilieren. Einige Chefs stiften Mitarbeiter zudem gezielt dazu an, in ihrer Abteilung die Ohren offenzuhalten und die Informationen weiterzugeben. "Dabei spielen nicht nur abfällige Bemerkungen eine Rolle", erklärt Carmen Schön. Der Juristin sind Fälle bekannt, in denen Firmen an den politischen Ansichten ihrer Mitarbeiter genauso interessiert waren wie an Therapien oder der Religionszugehörigkeit. "Sollte ein Mitarbeiter unbequem werden, hat die Geschäftsführung dann schnell genug Informationen, mit dem sie ihn zur Kündigung bewegen kann."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

Juristin Schön rät dazu, sowohl dem Spitzel als auch der Geschäftsführung zu signalisieren, dass man über die "eingehende Beobachtung" Bescheid wisse. Im glücklichsten Fall wird der Mitarbeiter daraufhin in Ruhe gelassen. "Funktioniert das nicht, sollte man sich an den Datenschutzbeauftragten im Unternehmen wenden. Wenn es so einen Posten noch nicht gibt, kann der Betroffene ihn gleich selbst bekleiden. Das ist ein guter Schutz."

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Trick 14: Big Brother im Büro - die heimliche Videoüberwachung

Was steckt dahinter?

Lidl, Müller, die Bahn oder die Telekom: An aktuellen Beispielen dafür, dass Unternehmen gern die totale Kontrolle über ihre Mitarbeiter hätten, mangelt es nicht. Juristin Carmen Schön vermutet, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. "Die Geschäftsführung möchte herausfinden, wer loyal ist und wer nicht. Mit den Ergebnissen der heimlichen Überwachung werden Personalakten angefüttert, um Druckmittel gegen die betreffenden Mitarbeiter in der Hand zu halten. So werden Angestellte gefügig gemacht."

Wie kann sich ein Mitarbeiter wehren?

"Der beste Schutz ist, immer äußerst korrekt zu arbeiten", rät Juristin Schön. Dazu gehöre auch, penibel zwischen privatem und geschäftlichem Mail-Verkehr zu trennen, keine privaten Telefonate vom Büro aus zu führen und Spesen oder Reisekosten korrekt abzurechnen. Nichtsdestotrotz ist es selbstverständlich verboten, Mitarbeiter ohne ihr Wissen zu überwachen. Fliegt solch eine Praxis auf, ist das Unternehmen in ernsten Schwierigkeiten - nicht der Mitarbeiter.

Bild: dpa (sueddeutsche.de/mri)

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