Medizin-Studium Vernichtendes Urteil über Uni Witten-Herdecke

Neu ordnen oder einstellen: Die private Hochschule Witten-Herdecke hat ein Problem mit ihrem Studiengang Humanmedizin.

Der Wissenschaftsrat hat ein vernichtendes Urteil über die Qualität des Medizin-Studiums an der Privatuniversität Witten-Herdecke gefällt. Das Expertengremium fordert in einer am Freitag in Berlin verabschiedenen Erklärung die Hochschule auf, ab sofort keine Neueinschreibungen von Studenten vorzunehmen.

Angesichts von gravierenden Problemen bei der Ausbildungsqualität empfiehlt der Wissenschaftsrat, den Studiengang Humanmedizin dort völlig neu zu ordnen oder ganz einzustellen. Während die Leistungen sowie Forschung und Lehre in den anderen Studiengängen der Hochschule "den wissenschaftlichen Ansprüchen einer Universität entsprechen", gelte dies für die Humanmedizin nicht, heißt es in dem Beschluss weiter.

Bemängelt werden "inhaltliche und strukturelle Schwächen in Lehre und Forschung". Auch besitze die Hochschule "keine überzeugenden Vorstellungen zur inhaltlichen wie personellen Bewältigung" der durch die neue Approbationsordnung gestiegenen Anforderungen für die Ärzteausbildung.

Die Privatuniversität kündigte an, sie stelle sich der Kritik des Wissenschaftsrates und werde die erforderlichen Maßnahmen ergreifen. So sei mit dem Helios-Klinikum in Wuppertal bereits ein Universitäts- Klinikum gefunden worden, wie dies vom Wissenschaftsrat gefordert werde. Zudem sei die Zahl der kooperierenden Kliniken zur Ausbildung der Studenten bereits von 18 auf 11 reduziert worden.

NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) forderte die Hochschule auf, schnell ein tragfähiges Konzept vorzulegen. Andernfalls sei keine weitere Förderung durch das Land über die bis 2006 gültigen Finanzierungszusagen möglich. Dabei werde die Landesregierung die Hochschule "mit mehr Nachdruck begleiten als die Vorgängerregierung." Pinkwart stellte klar, dass die Unterfinanzierung der Hochschule nicht aus Steuermitteln ausgeglichen werden könne.

Über oder unter dem Durchschnitt?

Der Vorwurf des Wissenschaftsrats von schlechten Prüfungsleistungen der Wittener Studenten sei schlichtweg falsch, erklärte Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn. So habe der Wissenschaftsrat bei der Bewertung der 1. Staatsexamen zu kleine Gruppen von drei bis sieben Teilnehmern herangezogen und sei damit zu extrem hohen Durchfall-Quoten gekommen. Bei den Prüfungen zum 2. Staatsexamen mit mehr Teilnehmern liege die Privatuni sogar über dem Bundesdurchschnitt.

Eine Einstellung des Studiengangs Humanmedizin komme für die Privatuni nicht in Frage. Von den knapp 950 Studenten der Hochschule ist ein Drittel in diesem Studiengang eingeschrieben.

Studenten zahlen zurück

Die Privatuniversität hatte bei ihrer Gründung Anfang der 80er Jahre die Zusage abgegeben, sich ausschließlich mit Hilfe von Sponsoren oder Forschungserträgen zu finanzieren und weder Studiengebühren noch Landes-Zuschüsse zu beantragen. Wegen geringer Spendenerträge musste das Land NRW jedoch an die Privatuni zeitweise pro Student mehr Zuschüsse zahlen als an eine staatliche Hochschule.

Inzwischen verpflichten sich die Studenten in Witten/Herdecke bei ihrer Einschreibung, nach Abschluss der Ausbildung über acht Jahre hinweg acht Prozent ihres Einkommens an die Uni als Studiengebühren zurückzuzahlen. Die Studenten haben sich bereits für eine erhöhte Zahlung von zehn Prozent ihres Einkommens über zehn Jahre ausgesprochen.