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Krankmeldungen:Gegen Verschnupfungen aller Art

Einfach mal zu Hause bleiben, wenn's weh tut - das geht nicht. Wie sich kranke Arbeitnehmer korrekt verhalten und welche Pflichten die Firma hat.

Wenn die Temperaturen im Keller sind, steigen die Krankmeldungen in Unternehmen und Behörden sprunghaft an. Im vergangenen Jahr fehlten Arbeitnehmer durchschnittlich an 12,8 Tagen. Aber auch der bedauernswerteste Grippegeschwächte muss dabei einige wichtige Regeln und Fristen beachten. "Im schlimmsten Falle kann es ansonsten zur Kündigung kommen", warnt Stefan Daub, Fachanwalt für Arbeitsrecht von der Anwaltssozietät Graf von Westphalen in Freiburg.

krank schnupfen Attest, dpa

Krank: Auch bei häufigen Kurzerkrankungen ist eine Kündigung nur schwer möglich.

(Foto: Foto: dpa)

Zunächst sei es wichtig, den Arbeitgeber zu informieren, wenn man krank wird. Dies muss im Regelfall noch am selben Tag, zu Beginn der betrieblichen Arbeitszeit geschehen. "Eine Mitteilung im Laufe des Tages reicht grundsätzlich nicht mehr aus", so Daub. Dabei gebe es verschiedene Wege: Es kann per Telefon, Fax, E-Mail oder sogar per SMS geschehen - wenn dies im Betrieb üblich ist.

Bitte Attest vorlegen!

Dauert die Erkrankung länger als drei Kalendertage, muss der Arbeitnehmer in der Regel am darauffolgenden Arbeitstag ein ärztliches Attest einreichen. Allerdings sollte man zuvor einen Blick in seinen Arbeitsvertrag werfen. "Unter Umständen ist es möglich, dass der Arbeitgeber auch eine kürzere Frist für die Vorlage des Attests vorgeschrieben hat", so Arbeitsrechtsexperte Daub. In manchen Tarifverträgen ist auch geregelt, dass ein Attest bereits am ersten Tag der Krankheit vorzulegen ist.

Zweifelt der Chef daran, dass sein Mitarbeiter tatsächlich erkrankt ist, darf er sofort ein ärztliches Attest verlangen. Außerdem kann er sich mit der Krankenkasse des Mitarbeiters in Verbindung setzen und diese bitten, ein Gutachten zur Arbeitsunfähigkeit einzuholen.

18 Monate Krankengeld

Woran man erkrankt ist, kann der Vorgesetzte aus dem Attest nicht erkennen. Wichtig ist: Ändert sich die erwartete Krankheitsdauer, muss man so schnell wie möglich Bescheid geben, damit der Arbeitgeber planen kann. Eine Entgeltfortzahlung steht Arbeitnehmern und Azubis für höchstens sechs Wochen zu. Anschließend zahlt die gesetzliche Krankenversicherung bis zu 18 Monate lang Krankengeld. Privatversicherte müssen eine Zusatzversicherung über das sogenannte Krankentagegeld abschließen.

Viele Arbeitnehmern sorgen sich, wegen ihrer Krankheit abgemahnt oder gar gekündigt zu werden. Dabei sind die Regelungen einfach: Wegen einer Krankheit selbst darf man nie abgemahnt werden. "Eine Abmahnung hat die Funktion einer gelben Karte", erklärt Anwalt Daub. "Ein Chef kann nur abmahnen, wenn es die Möglichkeit gibt, die Situation zu ändern." Bei einer chronischen Krankheit zum Beispiel ist dies jedoch kaum möglich. Schließlich kann ein Arbeitgeber nicht von seinem Angestellten verlangen, weniger krank zu sein.

Auf der nächsten Seite: Was Arbeitnehmer tun können, wenn sie im Urlaub krank werden.

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