Kommunikation mit Vorgesetzten:Die wichtigsten Überlebensstrategien im Beruf

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Majestätsbeleidigung

Derart beherztes Mittun gehört auch für Susanne Reinker, Karriereratgeber-Autorin aus Düsseldorf, zu den Überlebensstrategien im Beruf, die immer wichtiger werden. Denn die überwiegende Mehrheit der deutschen Führungskräfte habe Führung nicht gelernt, meint Reinker. "Wem das klar ist, wird Hinweise und Hilfen dankbar annehmen. Autoritäre Knochen hingegen werden schon einen Anflug davon als Majestätsbeleidigung empfinden." Ihr Rat: Erst mal in aller Ruhe herausfinden, um welchen Typ Chef es sich handelt, welche Schwächen er hat, wo seine No-Go-Areas sind. Mit einem besonnenen Vorgehen schütze man sich auch automatisch vor einem Kardinalfehler: schon während der Probezeit führen zu wollen.

Um Gehör zu finden, könne es überdies nicht schaden, erst mal Sympathien zu wecken. Reinker nennt das "diplomatische Aufmerksamkeit", böse Zungen nennen es "schleimen". Aber: Wer auch nur vermeintlich auf einer Wellenlänge mit dem Chef funkt, hat bei der Einflussnahme bessere Karten. "Es ist gut zu zeigen, was man kann - aber tunlichst nicht in der Domäne des Chefs. Es muss schon eine Nische sein, idealerweise etwas, was er nicht mag oder kann"', rät Reinker. Nebeneffekt: Der Chef wird dem Mitarbeiter nicht hereinreden.

Nicht zynisch werden

Bei Vorgesetzten, die einem gern eine nicht näher spezifizierte Aufgabe auftragen, weil sie selber kein konkretes Ziel vor Augen haben, helfe die Technik des Rückdelegierens: Man fragt den Chef, warum, wie und bis wann die Aufgabe zu erledigen ist. Dann muss er selbst die Sache fertig denken und präzisieren statt darauf zu hoffen, dass sich der Nebel von alleine lichtet.

Führungstrainer Jürgen Spincke aus Hamburg nennt diese Strategie freundlich "den Chef miteinbeziehen". Das sei besser als zynisch zu werden. Doch er warnt vor allzu großen Illusionen darüber, was machbar ist. Zwar könne man mit Respekt, klarer Haltung und Kompetenzen durchaus von unten führen, doch sich den Vorgesetzten hinbiegen, wie man es für richtig hält, bezeichnet Spincke als Hirngespinst. Er hält es mit dem Satz: Lieber einen Regenschirm aufspannen als abwarten, bis der Regen aufhört. Anders formuliert: Es ist einfacher, bei sich selbst anzufangen. "Das ist wie in einer Paarbeziehung: Der Andere wird sich nicht grundlegend ändern, man kann ihn allenfalls manipulieren."

Konstruktiv kritisieren

Bei sich selbst anzufangen kann auch heißen, Selbstwertgefühl aufzubauen statt hierarchiehörig zu werden. "Denn jeder ist eine Führungskraft, die sich selbst führt." Das würden viele Beschäftigte vergessen und sich häufig zu sehr an die Bedingungen anpassen, unter denen sie leiden. Wer sich aber selbst gut führt, der kann durchaus konstruktiv kritisieren und gegebenenfalls Entscheidungen einfordern und selbstbewusst Konsequenzen aufzeigen. Tipp am Rande: Untergebene sollten nicht mit Lob für ihren Vorgesetzten geizen, sofern er es verdient hat, rät Karriereberater Herzlieb. Auch knorrige Chefs dürsteten nach Anerkennung, meint er.

Führen von unten ist also keine Fingerübung fürs Ego, sondern für beide Seiten nutzbringend. Herzlieb: "Nur Mitarbeiter mit einem erfolgreichen Chef werden im Unternehmen wahrgenommen."

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