bedeckt München 21°

Kommunikation mit Vorgesetzten:Wie man seinen Chef führt

Es klingt weinerlich, wenn Mitarbeiter klagen, sie könnten mit ihren Ideen sowieso nichts erreichen. Nicht Jammerlappen sind gefragt, sondern Mitarbeiter, die das Heft selbst in die Hand nehmen.

Es klingt immer ein bisschen weinerlich, wenn Mitarbeiter darüber klagen, dass sie mit ihren Ideen und kritischen Vorschlägen am Arbeitsplatz sowieso nichts erreichen können. Trotzdem ist diese Haltung in deutschen Büros und Fabrikhallen weit verbreitet. Ganz falsch, meint Heinz-Jürgen Herzlieb, Karrieretrainer aus Niedernberg bei Aschaffenburg. Nicht Jammerlappen und Duckmäuser seien gefragt, sondern Mitarbeiter, die das Heft selbst in die Hand nehmen. Ja, die sich sogar selbst als Führungskraft begreifen. Herzlieb hat dafür einen Begriff geprägt: Er spricht von "Cheffing" oder "Führung von unten".

Kommunikation mit Vorgesetzten Wie man seinen Chef führt, iStock

Der Boss: Er darf nie das Gefühl bekommen, dass er bloßgestellt werden soll.

(Foto: Foto: iStock)

Das bedeute keineswegs, durch einen Dauerbeschuss guter Vorschläge oder herber Kritik den Chef zu sabotieren, meint Herzlieb. Es gehe vielmehr darum mitzugestalten und Einfluss zu nehmen. "Das ist häufiger möglich, als viele glauben." Der Graben zwischen signierenden und resignierenden Mitarbeitern lasse sich überwinden.

Nüchtern und sachlich das Ruder übernehmen

Wer von unten führt, steuert damit zuweilen auch seine Vorgesetzten. Und das kann dringend nötig sein, meint Herzlieb. In der mittleren und oberen Führungsschicht trifft er häufig auf eine "Lähmschicht" - auf Entscheider, die nicht entscheiden. Da sei es manchmal heilsam, wenn etwa der Spezialist, der durch sein Wissen ohnehin besser im Bilde sei als sein Vorgesetzter, nüchtern und sachlich das Ruder übernehme. Auf den Mitarbeiter wirke das wie eine Motivationsspritze, den Chef bewahre es vor einer Fehlentscheidung. Eine klassische Win-Win-Situation.

Ein Blick in die Stellenanzeigen macht klar, dass sich viele Arbeitgeber "unternehmerisches Handeln" oder die Fähigkeit, "Verantwortung zu übernehmen", ausdrücklich wünschen. "Opfertypen", wie Herzlieb sie nennt, sind das krasse Gegenteil davon. Man erkennt sie an Sätzen wie "Ich kann da sowieso nichts machen" oder "Unter dem Chef wird sich eh nichts ändern". Der "Unternehmertyp" dagegen wird bei etwaigen Widerständen des Chefs hartnäckig bleiben, für seine Sache argumentieren, Schwierigkeiten zur Sprache bringen und sich gegebenenfalls Verbündete suchen.

Das gelte umso mehr, meint der Karrieretrainer, wenn der Chef keine klare Linie vorgebe. Dann müsse man eben selbst dafür sorgen. Der Vorgesetzte dürfe allerdings nicht hintergangen werden. Die Karten gehören auf den Tisch: Herzlieb rät, dem Chef zunächst Vorschläge zur Diskussion zu stellen oder ein sorgsam formuliertes Papier vorzulegen. Er dürfe nicht das Gefühl bekommen, dass er bloßgestellt werden soll. Kommt auf die Vorschläge keine Reaktion, sollte man nachhaken. "Nur wenn alle Stricke reißen, trifft man die Entscheidung selber und legt sie dem Chef zur Kenntnisnahme vor."

Auf der nächsten Seite: Wie man mit Respekt, klarer Haltung und Kompetenzen von unten führt.