bedeckt München

Jobwechsel:Nicht ohne meinen Partner

Trotz vieler guter Ansätze ist Deutschland noch ein Entwicklungsland bei der Förderung dualer Karrieren. Der Vorwurf des Nepotismus, der ungerechtfertigten Bevorzugung von Angehörigen, steckte noch bis vor kurzem in vielen Köpfen und bremste positive Entwicklungen. Erst mit Beginn dieses Jahres hat die Technische Universität in München (TU) gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft das "Munich Dual Career Office" eingerichtet. Dort kümmert sich Kerstin Dübner-Gee um die Partner von Wissenschaftlern. Etwa 80 000 Euro jährlich, finanziert mit Mitteln aus der Exzellenzinitiative, steht für die neue Stelle zur Verfügung. "Wir haben ein großes Interesse daran, den Forschern ein schnelles Wohlfühlen zu ermöglichen", sagt Dübner-Gee. Geplant sind deshalb Tandems: Je ein deutsches Forscherpaar soll sich um ein ausländisches kümmern und ihm die deutsche Kultur näherbringen.

Familie, dpa

Mitarbeiter mit erfülltem Privatleben kosten die Unternehmen weniger: Sie sind motivierter und seltener krank.

(Foto: Foto: dpa)

Um Javier Esparza muss sich die Beauftragte für Doppelkarrieren hinsichtlich eines möglichen Kulturschocks keine Sorgen machen. Als die TU München dem Spanier im April 2007 eine Professur für Informatik anbot, lebte dieser schon lange in Deutschland, zuletzt in Stuttgart. Für den Vater zweier Kinder war neben der Lebensqualität der Stadt eine Stelle für seine Frau, die Mathematikerin Beatriz Sanchez, die bei der Max-Planck-Gesellschaft arbeitet, Voraussetzung für den Wechsel nach München.

Integrationsprogramme sollen den Neuanfang erleichtern

An der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) hat man schon früh erkannt, dass weiche Faktoren wie Freizeitwert und Wohnsituation ausschlaggebend für eine reibungslose Integration von "Career Couples" sind. Seit sechs Jahren leitet dort Madeleine Lüthy das Büro "Dual Career Advice" (DCA). Wird ein Professor berufen, fragt man auch nach der beruflichen Qualifikation des Partners. Ein Jahr lang bezahlt die ETH Zürich dem Lebensgefährten ein Gehalt. In dieser Zeit kann er sich mit der Unterstützung von Lüthy eine Stelle suchen.

Einer von denen, die in den Genuss dieses Services kamen, ist der Meteorologe und IT-Spezialist Kassiem Jacobs. Gemeinsam mit seiner Frau, der Professorin Ulrike Lohmann, hatte er an der Universität Dalhousie in Kanada gearbeitet, als seine Frau einen Ruf an die ETH erhielt. Beide wurden nach Zürich eingeladen, und während Lohmann die Ausstattung ihres Lehrstuhls aushandelte, standen für ihren Mann Sightseeing und Wohnungsbesichtigungen auf dem Programm. Inzwischen arbeitet er auch an der ETH, als EDV-Systemmanager. Und schreibt nebenbei seine Doktorarbeit in Ozeanographie.

Da Universitäten und Betriebe immer internationaler werden und der Wettbewerb um Spitzenleute härter wird, sind Integrationsprogramme für "Dual Career Couples" eine sinnvolle Investition. An der ETH Zürich kommen zwei Drittel des Personals aus Deutschland, Amerika, Frankreich und Skandinavien. "Gerade Amerikaner haben anfangs oft Probleme", sagt Madeleine Lüthy. Sie müssen sich etwa daran gewöhnen, dass man eher öffentliche Verkehrsmittel als das eigene Auto benutzt oder dass manchmal nur eine Waschmaschine für alle Mieter im Keller steht. Nicht alle Umzügler finden sich so schnell mit solchen Neuerungen ab. Schließlich sind sie keine Zebrafinken.

© SZ vom 12.4.2008/sam
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