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Job-Suche:Mit Vitamin B vorwärts kommen

Ist es peinlich, wenn man Freunde einspannt? Nein, man muss es nur richtig tun.

Nutzen Sie alle Ihre privaten Kontakte, wenn Sie einen neuen Job suchen! Diesen Tipp findet man in nahezu jedem Bewerbungsratgeber. Wie geht das aber konkret? Rolf Winkel fragte Gitte Härter vom Münchner Berufsberatungsbüro Objektiv.

SZ: Schalten viele Menschen ihre Bekannten bei der Arbeitssuche ein?

Härter: Nach meinem Eindruck geschieht das viel zu selten. Allenfalls im engsten Familienkreis wird verbreitet, dass man einen neuen Job sucht - und selbst da passieren viele Fehler, weil man die eigenen Wünsche und Fähigkeiten nicht klar genug darlegt.

SZ: Woher kommt diese Scheu?

Härter:Die Leute denken nicht daran, dass der neue Job direkt um die Ecke liegen könnte. Außerdem hat es den Geruch von Vitamin B, und das ist nicht gerade angesehen. Zu Unrecht. Denn jeder arbeitet schließlich gern mit Empfehlungen. Wenn ich jemanden suche, der mir die Wohnung streicht, frage ich natürlich erst einmal Freunde: Kennst Du jemanden? Und genauso geht es, wenn ich einen Arbeitsplatz besetze. Ich selbst war früher Abteilungsleiterin, und bevor wir eine Stelle ausgeschrieben haben, wurde natürlich in der Abteilung herumgefragt: Kennt Ihr jemanden, der hier herein passen würde? Wenn ich auf diesem Wege eine Empfehlung bekam, war ich froh. Schließlich spart man so als Personaleinsteller Zeit und Geld.

SZ: Wie spreche ich Bekannte denn am besten auf das Thema an?

Härter: Ich sollte nicht zu schnell zum Telefon greifen, sondern mir zunächst überlegen: Was suche ich für eine Stelle, und was habe ich bisher gemacht? Berufsbezeichnungen helfen da oft nicht weiter. Unter dem Begriff Marketing-Assistent kann sich kaum einer etwas vorstellen. Man muss in ein paar Sätzen klar erklären können, was man kann und was man sucht. Am besten sagt man auch, wo man meint, seine Fähigkeit am besten einsetzen zu können.

SZ: Welche Personen kann ich überhaupt ansprechen?

Härter: Im Prinzip alle. Freunde, Verwandte, Bekannte. Und ich kann es vor allem überall tun: Auf Partys, im Fitness-Studio, in Geschäften. Man sollte in eine Art Arbeit-Such-Modus umschalten und überall verbreiten, dass man eine Stelle sucht. Wie zum Beispiel eine Bewerberin, die kürzlich im Blumenladen an der Ecke mit der Verkäuferin plauderte und ihr erzählte, was sie sucht. Jetzt ist sie angestellt - als Chef-Assistentin bei dem Bruder der Verkäuferin.

SZ: Ist es nicht peinlich, wenn ich persönliche Bekannte einspanne?

Härter: Nur wenn ich es falsch mache. Neulich rief mich jemand an, den ich fünf oder zehn Jahre lang nicht gesehen hatte. Erst machte er ein Weilchen Small Talk und heuchelte persönliches Interesse, bevor er damit herausrückte, dass er Hilfestellung bei der Jobsuche wünschte. Das ist unangenehm. Man sollte direkt sagen, was Sache ist. Natürlich kann man dann die Gelegenheit am Schopf packen und den persönlichen Kontakt wieder auffrischen. Das sollte man aber nur tun, wenn man es wirklich will.

SZ: Kann man auch den alten Arbeitgeber angehen?

Härter: Natürlich. Es kommt natürlich immer darauf an, wie man sich von der Firma verabschiedet hat. Wenn man einen guten Abgang hatte, sollte man in jedem Fall den Chef oder Abteilungsleiter ganz offen fragen, ob er einem nicht bei einem anderen Unternehmen die Türen öffnen kann. Das werden viele Chefs gern tun. Vielleicht hört man bei der Gelegenheit noch den Hinweis, dass der Weg zurück in die Firma - etwa bei besserer Auftragslage - offen ist.

SZ: Wer nimmt, muss auch geben...

Härter: Klar, wenn man auf diese Weise einen Job gefunden hat, sollte man sich bedanken. Das Geschenk an die Verkäuferin im Blumenladen, die den Tipp gegeben hat, sollte man nicht vergessen. Und man sollte sich vielleicht auch dann für Unterstützung bedanken, wenn sie sich so direkt gar nicht ausgezahlt hat. Das gehört dazu, wenn man ein Netzwerk aufbaut. Wenn ich selbst Kontakte nutze, muss ich auch ein offenes Ohr haben, falls mich demnächst andere um Hilfestellungen bitten.