Investitionen in Fortbildung Gut fürs Image

Wie Firmen davon profitieren, wenn sie Mitarbeiter, die sich weiterbilden wollen, finanziell unterstützen.

Von Benjamin Haerdle

Eigentlich hätte Despina Moka mit ihrem Alltag als Rechtsanwaltsfachangestellte in einer Kanzlei in Hannover zufrieden sein können. Schnell hatte sie sich dort eingelebt, sodass sie bald Mandanten im Gefängnis besuchen durfte, an Gerichtsverhandlungen teilnahm, Klageschriften und einstweilige Verfügungen schrieb. "Ich machte viel mehr als das Berufsbild eigentlich hergab", sagt sie zurückblickend. Andererseits wünschte sie sich größere Veränderungen im Berufsleben. Nachdem sie nach 13 Jahren Kanzleiarbeit im Jahr 2013 ihren Arbeitgeber gewechselt hatte - unter anderem ist sie nun im Auftrag der Offenen Hochschule Niedersachsen mit Menschen im Gespräch, die sich weiterbilden möchten -, entschloss sie sich zu einem Fernstudium: Parallel zu ihrem 40-Stunden-Job studiert sie jetzt Jura.

Je besser die Fortbildung zum Job passt, desto größer die Chance, dafür Geld vom Chef zu erhalten

An Weiterbildungsmaßnahmen wie etwa einem Fernstudium teilzunehmen, liegt im Trend: Circa 7,3 Millionen Menschen bildeten sich in Deutschland im Jahr 2015 weiter, meldete das Statistische Bundesamt im vorigen Jahr. Für viele von ihnen heißt das: Laptop aufklappen an den Wochenenden oder abends, wenn die Kinder schlafen, denn im Internet steht der Inhalt vieler Studiengänge, Kurse und Seminare online rund um die Uhr parat.

Der Trend zur digitalen Weiterbildung gefällt Deutschlands Wirtschaft. Laut der TNS Infratest-Studie "Weiterbildungstrends in Deutschland 2017", bei der 300 Personalverantwortliche in Unternehmen befragt wurden, sehen 75 Prozent Fernstudium und Blended Learning, also eine Mischung aus Praxis- und Online-Lernen, als eine "geeignete Weiterbildungsmaßnahme" für Berufstätige an. Im Jahr 2009 waren es nur 68 Prozent. Insbesondere bei großen Unternehmen hat die Akzeptanz im Zeitraum von 2016 auf 2017 von 72 auf 82 Prozent demnach deutlich zugenommen. Ein Eindruck, den Thomas Egenter, Vice President Human Ressources beim Armaturen-Spezialisten Hansgrohe, der weltweit etwa 4800 Mitarbeiter beschäftigt, bestätigt. "Die digitale Weiterbildung wird immer wichtiger, vor fünf Jahren spielte sie kaum eine Rolle." Die Formen der Fortbildung reichen beim baden-württembergischen Mittelständler von sogenannten Ted Talks, bei denen Experten online referieren, über Youtube-Filme und Online-Kurse von Bildungsanbietern bis hin zu zertifizierten Weiterbildungsangeboten. "Die Mitarbeiter müssen heute nicht mehr wie früher physisch den Trainer vor sich haben, das geht dank des Internets einfacher und besser", sagt Egenter. Allerdings gebe es auch Grenzen für das digitale Lernen. Ein Beispiel: Workshops zur Unternehmensphilosophie werden bei Hansgrohe in Präsenzveranstaltungen moderiert. Egenter: "Da müssen die Teilnehmer diskutieren können." Deshalb solle man nicht nur auf digitale Weiterbildung setzen.

Arbeitgeber handhaben es sehr unterschiedlich, ob sie Weiterbildung finanziell fördern. Despina Moka etwa trägt die Kosten von circa 2500 Euro für das Fernstudium selbst. Sie kann aber den Arbeitsplatz abends und an den Wochenenden für ihre Weiterbildung nutzen und bekommt die fachliche Unterstützung ihrer Vorgesetzten beim Fernstudium.

Der bayerische Chemiekonzern Wacker beteiligt sich an Kosten für digitale Studiengänge mit bis zu 50 Prozent oder bis zu maximal 10 000 Euro. "Dem Unternehmen geht es darum, seinen Mitarbeitern einen zusätzlichen Weg zur Weiterqualifizierung zu eröffnen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und dadurch Fachkräfte mit Potenzial zu binden", sagt Unternehmenssprecher Christof Bachmair. Nachgefragt würden vor allem digitale Studiengänge mit betriebswirtschaftlicher und naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung. Ähnlich verfährt man auch bei der Firma Hansgrohe. Dort hängt die Fördersumme von der betrieblichen Relevanz ab. "Hat die Weiterbildung einen starken Bezug zur aktuellen oder künftigen Tätigkeit, dann fördern wir das maximal bis zu 50 Prozent der Kosten und bis zu maximal 10 000 Euro", sagt Egenter. Das Gegenbeispiel: Wer etwa in der Finanzbuchhaltung arbeitet und einen Master in Psychologie machen will, wird nicht unterstützt.

Unternehmen setzen aber nicht nur auf externe Fortbildung, sondern auch auf interne. Bei BMW Leipzig heißt das Standardangebot für die circa 5300 Stamm-Mitarbeiter Web Based Training. "Mit E-Learnings etwa zu rechtlichen Themen wie Informations- oder Datenschutz erreichen wir zeitlich flexibel eine große Zahl von Mitarbeitern", nennt Personalleiter Dirk Wottgen wichtige Vorteile der digitalen Lehre. Bei Blended-Learning-Angeboten sei der Vorzug, dass sich Mitarbeiter die Theorie-Kenntnisse etwa in der Schalttechnik erst in Online-Kursen aneignen und dann im praktischen Trainingskurs umsetzen könnten. Als neues Element der Weiterbildung bieten Anlagenhersteller für Kunden Einführungskurse in bestimmte Anlagentechniken als Online-Kurse an. Dies, so Wottgen, sei nicht nur eine gute Vorbereitung für den folgenden Präsenzkurs, sondern man könne das digitale Angebot auch mit anderen Unternehmen teilen und damit Kosten sparen. "Wir müssen eine professionelle Weiterbildung anbieten, um bestimmte Themen und Qualifikationsinhalte in die Belegschaft zu bringen", betont er.

Zwei Jahre des Fernstudiums hat die 39-jährige Despina Moka bereits geschafft, fünf weitere liegen vor ihr. Bang ist ihr deswegen nicht, denn sie hat ein klares Ziel. "Ich könnte mir vorstellen, bei einem größeren Unternehmen oder im öffentlichen Dienst als Vertrags- oder Arbeitsjuristin zu arbeiten."