Hochbegabte im Interview:"Schlaue lachen anders"

Joder: Nein, nicht langweilig, aber schwierig. Ich selbst habe zum Beispiel festgestellt, dass ich eine andere Art von Humor habe als durchschnittliche Menschen. Wenn ich mich über bestimmte Dinge nicht amüsieren kann, wirkt das auf manche arrogant. Das soll es aber gar nicht sein. Ich bin nicht arrogant, ich bin nur anders. Wir Hochbegabten lachen über andere Dinge.

sueddeutsche.de: Wo sehen Sie die größten Unterschiede zu normalbegabten Menschen?

Joder: Das fängt schon als Kind an: Als Hochbegabte setzt man sich im Kindergarten nicht gern in einen Stuhlkreis und klatscht. Das ist einfach keine Herausforderung, sondern eher lächerlich. Also suchen wir uns schon früh Themen, die uns begeistern, mit denen Gleichaltrige aber überfordert sind. Das können Fragen sein nach Leben und Tod, aber auch technische Dinge: Wie zum Beispiel funktionieren Flugzeuge oder U-Bahnen? Darüber wissen manche mit vier Jahren schon alles. Für unsere Umgebung ist das natürlich oft anstrengend.

sueddeutsche.de: Ist es für Eltern nicht bequem, ihr schwieriges Kind einfach als hochbegabt zu bezeichnen?

Joder: Natürlich. Viele Eltern reden sich damit die Probleme ihrer Kinder schön. 'Mein Kind ist faul, also hochbegabt', heißt es dann. Mit der Hochbegabungs-Diagnostik lässt sich aber leicht feststellen, ob dem wirklich so ist.

sueddeutsche.de: Wie reagieren Eltern, wenn Sie ihnen eröffnen, dass ihr Kind doch nicht so intelligent ist, sondern die Probleme eine andere Ursachen haben könnten?

Joder : Erstaunlicher Weise sind die meisten erleichtert. Viele Eltern möchten einfach nur eine schlüssige Erklärung für das Verhalten ihres Kindes. Wenn sie wissen, dass Schwierigkeiten nicht durch die Hochbegabung bedingt sind, können sie nach anderen Ursachen suchen. Oft stellt sich heraus, dass ein Kind eine Seh- oder Hörschwäche hat, deshalb unkonzentriert ist und in der Schule nicht mitkommt. Dagegen lässt sich relativ leicht etwas unternehmen.

sueddeutsche.de: Welche Herausforderungen suchen Sie sich, damit Ihnen nicht langweilig wird?

Joder: Im Beruf meist durch Studiengänge, die ich mir parallel zur Selbständigkeit gönne. In den letzten zwei Jahren habe ich nebenberuflich promoviert, zuvor habe ich nebenher Wirtschaftswissenschaften und danach Gesundheitswissenschaften studiert, nach Abschluss meines Psychologiestudiums. Und in meinem Beruf habe ich viel mit anderen Hochbegabten zu tun.

© sueddeutsche.de/mri
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