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Glücks-Coaching:Nun seid gut drauf!

Eine neue Berater-Generation bringt das Glück in die Arbeit. Ihre Botschaft: Zufriedene Mitarbeiter leisten mehr.

Abstiegsangst, drohender Jobverlust, Mobbing, nervende Kollegen - das Büro ist häufig nicht gerade ein Hort der Glückseligkeit. Das dämmert auch den Trüffelschweinen im Beratermarkt, die den Missstand in ein neues Tätigkeitsfeld ummünzen: Glücks-Coaching. Andreas Nemeth, Verkaufstrainer und Berater aus Bad Kissingen, ist zum Beispiel überzeugt, dass sich Glück erlernen lässt: "Jeder kann sich selbst zu Erfolg und Glück coachen", behauptet der Autor von Büchern mit Titeln wie "Das ganze Jahr gut drauf!" oder "Der begeisterte Verkäufer".

Simple Botschaft: Strahlende Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter.

(Foto: Foto: AP)

Man müsse nur das Gehirn trainieren, meint Nemeth, öfter positive als negative Signale wahrzunehmen. Dadurch stelle sich auf Dauer von selbst eine größere Zufriedenheit ein, wovon wiederum die Firma direkt profitiere. Motto: Ist der Mitarbeiter glücklich, freut sich der Chef. Denn nur wer zufrieden ist, erledigt seine Arbeit auch mit der nötigen Motivation und Leistungsbereitschaft. Allzu viel Grüblerei störe dabei nur.

Wie wahr. Nemeth rät: "Konzentrieren Sie sich auf das Hier und Jetzt!" Lamentieren sei sinnlos, denn es binde unnötig Kraft und Kreativität. Der Coach bringt es auf die Formel: "Lebe protestfrei!" Was aber nicht heißen solle, dass man alles mit sich machen lassen muss. Natürlich nicht. Denn das würde unglücklich machen.

Führungskräften gibt Nemeth Ratschläge, wie sie ihr Team glücklich machen und damit dessen "gesamtes Leistungspotenzial" entfalten können: "Entscheidend ist, dass man den Mitarbeitern Vertrauen, Kompetenz, Aufmerksamkeit, Achtung und Respekt schenkt." Und nicht zu vergessen: Auch ein guter Verdienst ist wichtig. Aha: Geld macht also auch glücklich. Der Trainer gibt als Losung aus: "Werden Sie zu einem Glücksmomente-Forscher!" Nemeth hat Erfolg: Immer mehr Unternehmen lassen sich von ihm bei der Grundlagenforschung in Sachen Glück unterstützen, unter anderem die AOK, die Deutsche Bahn oder DaimlerChrysler.

Die liebe Familie, Quelle des Glücks

Zu den unfreiwilligen Mitinitiatoren dieses Trends zählt Richard Layard, Direktor des Center for Economic Performance an der London School of Economics, Regierungsberater und Architekt des britischen New Deal. In seinem vielbeachteten Buch "Happiness" fordert der Ökonom ausgerechnet von Politik und Wirtschaft, für eine "glückliche Gesellschaft" (so auch der deutschsprachige Titel) zu sorgen.

Seither beschwören Berater einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft. Ganz nach Layards Formel, den Faktor Glück zur bestimmenden Größe zu erheben, indem wirtschaftliche und soziale Sicherheit Vorrang genießen soll vor Gewinnmaximierung und totaler Eigenverantwortung. Das Ziel ist eher Zufriedenheit als Ehrgeiz und zersetzende Konkurrenz.

Lord Layard ist folglich auch kein Freund leistungsbezogener Bezahlung und perfider Mitarbeiterführungsstrategien, die gezielt Rivalitäten unter Kollegen aufbauen, um zu Höchstleistungen anzustacheln. Er fragt, wie man einerseits Teamarbeit fordern und andererseits nach Leistung bezahlen kann. Die vermeintlich weichen Faktoren wie Glück, Vertrauen und Fairness würden von der Wirtschaftswissenschaft ignoriert.

Für die Praxis heißt das: Glückliche Mitarbeiter sind nicht unbedingt diejenigen, die mit reichlich Sondergratifikationen bedacht werden, sondern diejenigen, deren Leistung ehrlich anerkannt wird und deren Verlangen nach Sicherheit und Zufriedenheit bedient wird. Und weil die Familie eine Quelle des Glücks darstellt, sollten familienfreundliche Maßnahmen im Unternehmen selbstverständlich sein.