bedeckt München 24°
vgwortpixel

Generation D:Versuchskaninchen Bachelor

Auf Bachelor studiert und damit weniger wert? Eine Gruppe von Studenten will die neuen Uniabschlüsse beliebter machen - mit einer Imagekampagne und flotten Sprüchen.

Verena Haase, 21, kann nicht fassen, was der junge Mann auf der Studentenparty ihr erzählt. Er sei gerade von einer Firma nach dem Bewerbungsgespräch heimgeschickt worden, abgelehnt mit der Begründung, er habe ja nur einen Bachelor-Abschluss und nicht das gute alte Diplom. "Das darf doch nicht wahr sein", sagt Verena kopfschüttelnd.

Bachelorstudenten turnen für einen besseren Ruf ihres Abschlusses. Foto: oh

Bachelorstudenten turnen für einen besseren Ruf ihres Abschlusses - das Poster ist Teil einer Imagekampagne.

(Foto: Foto: oh)

An dem Abend fasst sie einen Entschluss: Sie will den Leuten in Deutschland erklären, dass der Bachelor völlig ohne Grund so unbeliebt sei und dass er ein besseres Image verdient habe. Die Frage ist nur: wie?

Ein paar Wochen später bietet sich der 21-jährigen Medieninformatikstudentin die perfekte Gelegenheit, ihren Plan umzusetzen: Zehn Mitstudenten bekamen in einem Uni-Workshop die Aufgabe, eine Kampagne inhaltlich und grafisch selbst zu entwerfen, mit Postern, Aufklebern und allem, was dazu gehört. Das Thema war frei wählbar: "Es stand innerhalb von Minuten fest", sagt Haase. Eine Pro-Bachelor-Kampagne musste es sein. "Die ganze Gruppe war sofort entflammt", sagt auch ihr Kommilitone Christian Roder, 25, "das ist uns eine Herzensangelegenheit." Denn alle elf Workshop-Teilnehmer studieren seit 2006 Medieninformatik auf Bachelor. Damit sind sie die ersten an der Fachhochschule im fränkischen Hof, die von der Umstellung des Studiensystems auf Bachelor- und Masterabschlüsse betroffen sind. Diese war 1999 von den europäischen Bildungsministern in Bologna auf den Weg gebracht worden und soll bis 2010 EU-weit abgeschlossen sein.

Chaos pur

"Wir sind die Versuchskaninchen", sagt Roder, weil der neu eingeführte Bachelor für ihn als Studienanfänger vor allem eines bedeutete: Chaos. Keiner an der Hochschule wusste so recht, wie das neue System funktionieren sollte. "Und dann werden wir an der Hochschule auch noch diskriminiert". So jedenfalls hat Roder es erfahren. Die Professoren nähmen sie oft nicht ernst und sähen im Bachelor eine "Light-Version" der alten Studienabschlüsse, sagt er. Und einige Kommilitonen, die noch mit dem Ziel Diplom studieren, gründeten auf der Internetplattform StudiVZ Gruppen, die sich verächtlich "Bachelor, hol mir mal den Kaffee, ich schreibe gerade Diplomarbeit" oder "Lieber arbeitslos als Bachelor" nennen.

Verena Haase versteht das nicht: "So kann doch nur einer sprechen, der keine Ahnung hat, was dahintersteckt", sagt sie. Die Kampagne soll helfen, die Menschen aufzuklären. Eine der Dreiergruppen tüftelte deswegen eine Plakatserie aus, auf der schlagwortartig die Vorteile des Bachelor erklärt werden: "100 Prozent ab dem ersten Tag", steht da zum Beispiel, weil beim Bachelor sofort alle Leistungen für die Endnote zählen. Und: "6,8 Semester durchschnittliche Studienzeit". Kein Bummeln mehr, keine Langzeitstudenten. Stattdessen schnelles, effizientes Arbeiten. Auf einem anderen Plakat heißt es daher: "Hobbys? Halts Maul, ich studier' Bachelor!". Darunter liegt ein ausgelaugter Student auf dem Sofa, eingeschlafen. "Das Arbeitspensum ist enorm", sagt Verena Haase, "das sollen die Arbeitgeber endlich verstehen."

Die Arbeitgeber haben mehr verstanden, als Verena glaubt. Irene Seling, Referentin für Hochschulpolitik der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sagt, dass die Mitglieder des BDA den Bachelorabschluss sehr begrüßen. "Er ist viel berufsorientierter angelegt, das finden wir sinnvoll." Die Studenten müssten keine Vorbehalte bei Unternehmen befürchten, so Seling. "Ich kenne keinen Kritiker."

Die Unis sind das Problem

Tatsächlich seien nicht die Arbeitgeber, sondern die Unis das Problem, sagt Kolja Briedis vom Hochschulinformationszentrum. "Vor allem die Professoren sind den neuen Abschlüssen gegenüber zu kritisch eingestellt." Viele von ihnen fürchten um den wissenschaftlichen Nachwuchs, weil die Ausbildung immer praktischer wird. Deswegen bemühten sich die Professoren weder inner- noch außeruniversitär um ein gutes Image der neuen Abschlüsse, so Briedis.

Auch an der Fachhochschule Hof kommt die Kampagne sehr gut an, obwohl erst eine Handvoll Plakate gedruckt wurden, probeweise sozusagen. Sie waren nach drei Tagen von den schwarzen Brettern geklaut und hängen jetzt wohl in den Wohnzimmern einiger Studenten-WGs. Damit wird der Bachelor noch ein Weilchen Gesprächsthema auf den Hofer Studentenparties bleiben.