Gehalt "Nur wer Klarheit hat, kann argumentieren"

Die Gewerkschaften arbeiten an einem Internet-Portal, wo jeder kostenlos Gehaltsdaten abfragen kann. Ein Interview mit dem Projektleiter Reinhard Bispinck.

Wer verdient was? Zu dieser Frage soll ein Internetportal endlich realistische Auskünfte geben. Jutta Göricke befragte Reinhard Bispinck vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI), der das Projekt betreut.

Reinhard Bispinck ist bei seinem Projekt auf die Mitarbeit von möglichst vielen Berufstätigen angewiesen.

(Foto: Foto: privat)

SZ: Sie wollen einen Lohnspiegel einführen, der Auskunft darüber gibt, welcher Arbeitnehmer wie viel Geld verdient. Ein großes Vorhaben.

Bispinck: Das nach dem erfolgreichen niederländischen Vorbild des "Loonwijzers" in neun europäischen Ländern umgesetzt werden soll und drei Jahre lang von der EU finanziert wird.

SZ: Wie gehen Sie vor?

Bispinck: Vor einigen Wochen haben wir unter www.lohnspiegel.de einen Fragebogen ins Internet gestellt, mit dem wir - anonym - die relevanten Daten erfassen. Dabei sind wir natürlich auf die Mitarbeit der Berufstätigen angewiesen.

SZ: Wie viele Freiwillige müssen sich denn an der Erhebung beteiligen, damit die Auswertung seriös ist?

Bispinck: Für die erste Stufe gehen wir von 10000 Fragebögen aus.

SZ: Welche Branchen, welche Berufe werden berücksichtigt? Alle von der Putzfrau bis zum Manager?

Bispinck: Im Unterschied zu herkömmlichen Gehalts-Checks, die oft erst nach dem Abitur einsetzen, sollen alle abhängig Beschäftigten angesprochen werden.

SZ: Aber die Selbstständigen bleiben außen vor?

Bispinck: Für echte Freiberufler gibt es zurzeit noch keinen speziellen Fragebogen. Erfasst werden sollen aber auch alle Freelancer, die arbeitnehmerähnlich beschäftigt sind.

SZ: Es ist wahrscheinlich, dass beispielsweise ein Systemadministrator in dem einen Unternehmen eher Sachbearbeiter, in dem anderen auch Führungskraft ist. Wie schlägt das zu Buche?

Bispinck: Natürlich können die gleichen Berufsbezeichnungen verschiedene Ausprägungen haben. Das müssen wir in einem gewissen Maß zusammenfassen.

SZ: Wollen Sie nach Firmengröße aufschlüsseln oder auch da alle Daten mitteln? Und wie sieht es mit den unterschiedlichen Regionen aus?

Bispinck: Die Betriebsgröße wird erfasst und soll, genauso wie die Berufserfahrung, berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für die Regionen, die bis auf Kommunalebene hinuntergebrochen werden sollen. Allerdings hängt das am Ende von der Datenmenge ab.

SZ: Und wie sieht es mit Zusatzleistungen wie Dienstwagen, Kinderbetreuung oder Weihnachtsgeld aus?

Bispinck: Sie werden abgefragt, gehen aber nicht in den Lohnspiegel ein, weil sich diese Leistungen kaum miteinander vergleichen lassen.

SZ: Der DGB unterstützt das Projekt. Welches Interesse hat er, Löhne transparent zu machen? Schließlich besteht die Gefahr, dass sich Niedriglöhne, etwa für Frauen, dadurch eher verfestigen.

Bispinck: Von einem Lohnspiegel profitiert jeder. Nur wer Klarheit hat, kann argumentieren.

SZ: Das gilt auch für Arbeitgeber.

Bispinck: Das ist richtig.

SZ: Ab wann wird man den fertigen Lohnspiegel abrufen können?

Bispinck: Wir gehen von Mai 2005 aus.