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Frauen und Männer im Job:Die große Ungleichheit

Bei der Gleichberechtigung liegt noch so vieles im Argen: Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer - aber das ist auch ihr Fehler.

Nehmen wir an, in diesem Moment kommen zwei Babys zur Welt: ein Junge und ein Mädchen. Und nehmen wir an, sie machen in ihrem Leben alles haargenau gleich. Gehen zur gleichen Schule, studieren das Gleiche, wählen den gleichen Job, sparen auf die gleiche Weise fürs Alter und verdienen bis zur Rente immer genau gleich viel. Und abschließend nehmen wir noch an, dass die Gesetze so bleiben, wie sie derzeit in Kraft sind.

Mädchen entscheiden sich immer noch mehrheitlich für schlecht bezahlte Berufe.

(Foto: Foto: ddp)

Dann stünde vom Augenblick der Geburt an fest: Das Mädchen wird in seinem Leben monatlich mit weniger Geld auskommen müssen als der Junge.

Warum? Weil ihre monatliche Betriebsrente - so wollen es die Regeln der Versicherungsmathematik - oftmals deutlich geringer ausfallen wird als die ihres Kollegen. Sie wird also entweder während ihres Berufslebens mehr sparen müssen, um sich im Alter das gleiche leisten zu können wie er.

Oder aber sie wird sich im Ruhestand mit weniger begnügen müssen. Wohlgemerkt: Wir reden nicht von einem Entwicklungsland. Wir reden von Deutschland - dem Land, in dessen Grundgesetz seit 60 Jahren steht: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

Wenn an diesem Sonntag, wie jedes Jahr am 8. März, der Weltfrauentag stattfindet, wird es viele Reden über die Erfolge und Misserfolge in der Gleichstellungspolitik geben. Über das Thema der unterschiedlichen Betriebsrenten wird niemand reden. Und vermutlich ist das sogar verständlich.

Bei der Gleichstellung liegt nämlich noch so vieles im Argen, dass es in den Augen der meisten gar keine Rolle spielt, wenn Frauen im Ruhestand monatlich 200 Euro weniger haben als ihre männlichen Kollegen. Das Problem tritt ja erst dann offen zu Tage, wenn tatsächlich mal eine Frau und ein Mann ihre gesamte Karriere über gleich entlohnt werden. Das aber ist derzeit leider noch ziemlich unwahrscheinlich.

Der Mann als Ernährer

Erst in dieser Woche hat EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla wieder festgestellt, dass Frauen in Europa im Schnitt 17,4 Prozent weniger verdienen als Männer. Hochgerechnet auf die Lebensarbeitszeit entgehen ihnen damit bis zu 160 000 Euro. In Deutschland liegt die Kluft sogar bei 23 Prozent. Doch wer ist dafür verantwortlich?

Da wäre zum einen die Politik, die mit dem gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit und steuerlichen Regeln wie dem Ehegattensplitting zwar etwas Gutes wollte, aber die Entwicklung noch befördert hat. Bei Teilzeitkräften - das sind nun einmal in aller Regel Frauen - unterstellen Arbeitgeber unbewusst, dass sie weniger leistungsfähig oder -willig sind. Teilzeitkräfte werden bei Beförderungen häufig übergangen.