Forschung:Freier Zugang

"Open-Access-Zeitschriften" stellen Forschungsergebnisse ins Internet - für alle zugänglich und kostenlos.

Die Freiheit der Forschung wird von immer mehr Wissenschaftlern sehr wörtlich verstanden: Unter dem Schlagwort "Open Access" (freier Zugang) veröffentlichen sie die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit für alle zugänglich im Internet. Sie reagieren damit sowohl auf die Mittelknappheit von Forschungsinstituten als auch auf die hohen Bezugspreise für wissenschaftliche Zeitschriften.

Forschung: Jose Carmena und Miguel Nicolelis von der Duke University stellten ihre Forschungsergebnisse ins Netz

Jose Carmena und Miguel Nicolelis von der Duke University stellten ihre Forschungsergebnisse ins Netz

(Foto: Foto: AP)

"Das Internet bietet erstmals die Chance für eine weltweite und interaktive Darstellung des menschlichen Wissens und die Garantie eines weltweiten Zugangs", heißt es in einer Berliner Erklärung, die Ende Oktober auf einer dreitägigen Konferenz verabschiedet wurde.

Demnach erfüllen Open-Access-Beiträge zwei Bedingungen: Der Autor räumt allen Nutzern ein umfassendes Zugangs- und Weiterverbreitungsrecht ein. Erlaubt ist auch der Ausdruck in einer kleinen Anzahl von Kopien für den persönlichen Gebrauch. Die Nutzer respektieren die Urheberschaft des Autors und weisen in einer Weise darauf hin, die den eingebürgerten Standards der wissenschaftlichen Gemeinschaft entspricht.

Der Beitrag wird zusammen mit einer Erklärung zum Open-Access-Charakter an mindestens ein Online-Verzeichnis geschickt, das den ungehinderten Zugang und die langfristige Archivierung gewährleistet.

Aufsehen erregende Ergebnisse

Für eine solche Stelle bietet sich etwa die Public Library of Science (PLoS) an. Als das Forscher-Netzwerk in San Francisco eine erste Open-Access-Zeitschrift ankündigte, wurde diese Idee von einem großen Teil der wissenschaftlichen Verlagsbranche als zu idealistisch und unrealistisch zurückgewiesen. Nach der ersten Ausgabe von "PLoS Biology" sind die Kritiker aber erst einmal verstummt.

Eine Forschergruppe der Duke University um Miguel Nicolelis und Jose Carmena stellte dort Aufsehen erregende Ergebnisse vor: Die Wissenschaftlern entwickelten ein Gehirn-Maschine-Interface, mit dessen Hilfe Affen allein über ihr neurologisches System einen Roboterarm in Gang setzen konnten. Die Forschungsergebnisse können möglicherweise zur Entwicklung neuartiger Behindertenhilfen verwendet werden.

"Es war vielleicht unser bisher bestes Paper", sagt Nicolelis, der seine Forschungsergebnisse zuvor auch schon in renommierten Fachzeitschriften wie "Nature" und "Science" veröffentlicht hat.

Innerhalb von einem Tag war trotz Open Access der Zugang zu dem wissenschaftlichen Aufsatz versperrt: Den Ansturm von mehreren zehntausend Interessenten innerhalb weniger Stunden konnten die Web-Server von PLoS nicht bewältigen.

"Dies ist das bisher stärkste Argument für die Open-Access-Veröffentlichung", sagte Michael Eisen vom Lawrence Berkeley National Laboratory. Zusammen mit Nobelpreisträger Harold Varmus und dem Biochemiker Patrick Brown gehört Eisen zu den Begründern der Public Library of Science. Die Idee entstand aus dem Ärger über steigende Abonnementgebühren für Fachzeitschriften und über dicke Gewinnmargen der wissenschaftlichen Verlage im Geschäft mit den Zeitschriften. Außerdem machen die Verfechter von Open Access geltend, dass die Forschung mit Steuermitteln unterstützt wird - allein in den USA 57 Milliarden Dollar im Jahr. Daher sollte die Öffentlichkeit auch den freien Zugang zu den Ergebnissen erhalten.

Der Autor zahlt

Bei der Public Library of Science wird der Spieß umgedreht: Hier zahlen nicht die Leser, sondern die Autoren. Die Veröffentlichung der Papers kostet pro Forschungsteam und Jahr 1.500 Dollar (1.300 Euro). Für die Startfinanzierung konnte das Projekt auf eine Spende der Gordon and Betty Moore Foundation über neun Millionen Dollar zurückgreifen. Mitte nächsten Jahres ist ein zweites Open-Access-Journal geplant: "PLoS Medicine".

Von den Bibliotheken werde die Entwicklung mit großem Interesse verfolgt, sagt Barbara Epstein von der medizinischen Bibliothek der Universität Pittsburgh. "PLoS wird sicherlich vielen Einrichtungen helfen, denen die Budgets zusammengestrichen wurden." Allerdings zweifeln Epstein und viele andere, ob so viele Wissenschaftler bereit sein werden, die PLoS-Gebühr von 1.500 Dollar zu zahlen. Für forschungsintensive Universitäten mit mehreren tausend Papers im Jahr sei das kaum machbar, befürchtet Epstein.

Und hier liegt auch die Hoffnung der etablierten Verlage, dass ihnen Open Access nicht das Geschäft verderben wird. Marike Westra vom Wissenschaftsverlag Elsevier erklärte auf E-Mail-Anfrage, das Subskriptionsmodell sollte solange nicht aufgegeben werden, bis eine Alternative ihren Nutzen nicht dauerhaft unter Beweis gestellt habe. "Elsevier glaubt nicht, dass das Modell 'der Autor zahlt' auf lange Sicht einen wirtschaftlich gangbaren Weg darstellt."

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