Falsche Bewerber "Bildhübsche dynamische Anwältin gesucht"

Keine Gründe in der Absage

Denn Konzerne oder große Unternehmen werden nur selten von AGG-Hoppern verklagt. Dort formulieren Personalabteilungen Stellenanzeigen und lassen sie im Zweifel von der eigenen Rechtsabteilung prüfen. "Unsere Kunden sind bisher von solchen Klagen verschont geblieben", bestätigt Jens Plinke, Senior-Berater bei der Kienbaum-Tochter Terra Personalmarketing. "Sie verzichten aber auch bewusst auf Formulierungen, die ihnen Ärger einbringen könnten."

Von einer Stellenanzeige, in der ein neuer Mitarbeiter für ein "junges, dynamisches Team" gesucht werde, könne er nur abraten, denn hier könnten Böswillige Altersdiskriminierung vermuten. "In Absagen verzichten Firmen zudem häufig auf die Angabe von Gründen. Das ist nicht sehr serviceorientiert, aber damit stehen sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite."

Kinderbetreuung statt Tagesmutter

Betroffen sind viel häufiger Mittelständler und Privatpersonen: Wer etwa eine Zugeh- oder Kinderfrau sucht, einen Geschäftsführer ab 50 oder eine Kellnerin, ist für AGG-Hopper ein dankbares Opfer. Die durchkämmen die Stellenteile der Tageszeitungen systematisch und reagieren prompt auf solche Patzer. "Statt nach einer 'Tagesmutter' sollte man lieber ganz neutral nach 'Kinderbetreuung' suchen", rät Jan Kern. Ebenso solle es "Reinigungspersonal" statt "Putzfrau" heißen oder "Bedienung" statt "Serviererin".

Trotz der Missbrauchsfälle hält Kern das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz im Prinzip für gelungen - eigentlich. "Das AGG trägt dazu bei, dass Unternehmen sensibler mit dem Thema Diskriminierung umgehen", sagt er. Doch ein Patentrezept sei es nicht. Firmen, die diskriminieren, täten das heute einfach nur versteckter: "Wo es früher vielleicht noch ganz offen hieß, 'Für die Stelle sind Frauen nicht geeignet', denkt man das immer noch - man sagt es nur nicht mehr."

Das weiß offenbar auch die Frankfurter Kanzlei Greenfort. Die Anwälte machten sich mit folgender Stellenanzeige auf Personalsuche: "Bildhübsche dynamische Anwältinnen zwischen 25 und 35 Jahren mit deutlich zweistelligen Examina und akzentfreiem Englisch gesucht." Bebildert war der Text mit einer langhaarigen Dame, die sich auf dem Boden räkelte. Unter ihr, allerdings klein gedruckt: "Wie viele Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz würde ein solcher Anzeigentext enthalten? Wer es weiß, sollte sich bei uns als Rechtsanwalt (m/w) im Arbeitsrecht bewerben."