Dresscode:Eine Frage der Rocklänge

Als Frauen begannen, ins Männer-Bussiness vorzudringen, gab es noch keine Vorbilder. "Da wollten sie den männlichen Kollegen noch ähnlich sein und trugen zu den Hosenanzügen zum Beispiel Blusen mit Krawatten-ähnlichen Schleifen", erinnert sich Sylvia Rothblum. Das sei längst anders geworden. Beate Fastrich, Geschäftsführende Direktorin der Kosmetikmarke Clinique in Deutschland, bestätigt: Heute orientieren sich die Frauen an den weiblichen Vorbildern - und die kleiden sich professionell und modern.

Verboten sind "bauchfrei und Ausschnitt bis zum Bauchnabel", sagt Fastrich. Am Casual Friday ohne Kundenkontakt seien aber sogar Jeans denkbar. Kurze Röcke, hohe Absätze - all das ist bei Clinique erlaubt. Bei den Kollegen an der Münchner Börse geht es schon strenger zu: "Überall dort, wo es für Männer einen extremen Dresscode gibt, gilt auch für uns: bloß nicht zu schrill", sagt die Börsenfrau Bortenlänger. Gedeckte Farben also, der Rock reicht selbstverständlich übers Knie. Und kein Schnickschnack - "ich habe zum Beispiel kein Kostüm mit Reißverschluss." Immerhin sei in Bayern auch mal eine Prise Landhaus in Form von Bluse mit Janker oder Cord-Kostüm gestattet.

So unterschiedlich die Branchen ticken, so unterschiedliche Outfits sie vorgeben - eine ungeschriebene Regel kennen alle: Zu viel Sex ist verboten. "Ich würde damit ,Frau mit sexuellen Reizen' signalisieren, und nicht ,professioneller Gesprächspartner'", sagt Beate Fastrich. Man wolle schließlich ernst genommen werden. "Das Thema soll im Vordergrund stehen, nicht der Mensch", findet auch Sylvia Rothblum.

Man kann natürlich all das beachten - nicht zu schräg, nicht zu sexy, die richtige Rocklänge - und trotzdem daneben liegen. Weil Mode eben auch eine Frage des persönlichen Stils ist. Für Christine Bortenlänger ist die Grenze auch dann überschritten, wenn sich eine Kollegin unvorteilhaft kleidet. "Wenn sie die falschen Farben trägt, schrille Töne, die nicht zu ihr passen - dann stößt mich das ab." Ansonsten hat sie die Erfahrung gemacht, dass Männer den einen oder anderen Farbtupfer eher gut finden. Sie selbst ist im Lauf ihrer Karriere immer Frau geblieben: "Ich ziehe zum Beispiel ein gut geschnittenes Kostüm an, einen Rock mit Schlitz, schöne Schuhe, und ich trage auch Schmuck. Man muss ja nicht in Sack und Asche gehen."

Das Nylon-Dilemma

Beibt die Frage nach den Strümpfen. Ist es okay, im Büro nackte Beine zu zeigen? Oder doch zu sexy? "In Bayern tut man sich leichter als in Hamburg, im Sommer die Nylons wegzulassen", hat Christine Bortenlänger beobachtet. "Es gibt da wohl einen Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschland." Und zwischen junger und älterer Gesellschaft, denn: "Je älter die Herren, desto kritischer werden nackte Beine gesehen."

Strümpfe müssen nicht immer sein, findet auch Beate Fastrich - allerdings immer zu kürzeren Röcken. Und Sylvia Rothblum hält Nylons gar für einen Vorteil: "Ich trage gerne Strümpfe, die machen schönere Beine." Und wenn's im Sommer zu heiß wird in der Synthetikhaut? Pragmatische Antwort: "Dann zieh' ich eben eine Hose an."

© SZ vom 28.10.2004
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