Bildungsgipfel Die Macher blieben daheim

Groß waren die Ziele, groß die Erwartungen an den Bildungsgipfel - am Ende stand in Dresden ein kleiner Kompromiss. Denn die Länderchefs ließen sich auf viele Vorschläge erst gar nicht ein.

Von Birgit Taffertshofer, Dresden

Dresden - So hatte sich Nina Zelasko das nicht vorgestellt. "Zuerst die ganze Aufregung und dann ist alles so schnell vorbei", sagt die 14-jährige Hamburger Gymnasiastin enttäuscht, als Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Blitzbesuch wieder aus der Tür marschiert. Groß waren die Ziele, groß die Erwartungen, am Ende stand am Mittwoch in Dresden ein kleiner Kompromiss - auch für die Schüler des Projekts Wissensfabrik, die gemeinsam mit ihren Lehrern und Sponsoren als einzige Gäste zum Bildungsgipfel eingeladen waren, um der Kanzlerin ihre Vision für eine Schule der Zukunft vorzustellen.

Bildung, Schule, Lernen: Auf dem Bildungsgipfel in Dresden blieben die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurück.

(Foto: Foto: ap)

Alles an diesem Tag war vorbereitet für vier Stunden voller Harmonie. Niemand sollte mehr reden über das wochenlange Gezänk zwischen Bund und Ländern, über verpasste Ziele und ungenutzte Möglichkeiten. Es sollte schöne Bilder geben, von einer lächelnden Kanzlerin, von zufriedenen Ministerpräsidenten und zuversichtlichen Kindern. Doch die Anspannung war nicht zu übersehen, auch nicht bei Angela Merkel, die am späten Nachmittag - mehr als eine Stunde später als geplant - die Ergebnisse der Konferenz mit den 16 Ministerpräsidenten vorstellte.

Hilfe für Schulabbrecher

In der "Dresdner Erklärung" versprechen Bund und Länder zwar mehr Geld für die Bildung, aber auf den elf Seiten des Abschlussdokuments werden letztlich nur zahlreiche Einzelprojekte angekündigt: Bund und Länder wollen eine bessere Sprachförderung für Migranten, wollen Hilfe für Schulabbrecher, eine Öffnung der Hochschulen für erfolgreiche Berufstätige und mehr Studienplätze und einiges andere.

Während der G-8-Gipfel in Heiligendamm im Frühsommer 2007 noch zur märchenhaften Inszenierung einer Kanzlerin geriet, die im Strandkorb die mächtigsten Menschen der Welt zu konkreten Klimazielen zwang, konnte die Kanzlerin in der Bildungspolitik am Ende nicht glänzen. Denn sie hatte diesmal zu hohe Erwartungen geweckt - und konnte sie dann doch nicht erfüllen.

Jeder Fünfte scheitert beim Lesen

Es gibt wohl kaum eine Gruppierung, die im Vorfeld des Gipfels keine Forderungen an die Kanzlerin adressierte, die Jungunternehmer genauso wie die Behinderten, die Eltern und die Schülervertretungen. Natürlich waren zum Bildungsgipfel nur ein paar Schüler eingeladen, die der Kanzlerin ihre Zukunftsvisionen schenken wollten, ohne Forderungen zu stellen. Von der ursprünglichen Idee, einen Gipfel mit Lehrern, Sozialpartnern, Gemeindevertretern, Eltern und Schülern zu veranstalten, um die Ziele der Qualifizierungsinitiative mit Leben zu erfüllen, blieb nicht mehr als eine dreistündige Konferenz in einem öden Industriegebiet am Rande Dresdens. Die Macher des Bildungssystems mussten daheim bleiben. Und nur ein paar reisten nach Dresden, um ihrem Frust darüber Ausdruck zu verleihen.

Gerade mal ein paar Dutzend Schüler, Studenten, Eltern und Gewerkschaftler trafen sich am Mittwoch im Nieselregen am anderen Ufer der Elbe zu einem alternativen Bildungsgipfel, fernab in der Innenstadt. Gemessen daran, wie viele junge Menschen im deutschen Schulsystem scheitern, ist das wenig: Jedes Jahr verlassen mehr als 70.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss; jeder fünfte 15-Jährige scheitert beim Lesen und Rechnen an einfachen Aufgaben.

Auf der nächsten Seite: Warum vor symbolhafter Kulisse so wenig erreicht wurde.

Bildung für alle - aber wie?

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