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Betrug am Arbeitsplatz:Vor frischer Tat ertappt

Ein neuer Persönlichkeitstest soll Arbeitgebern zeigen, ob ein Job-Bewerber später die Firma beklauen wird. Juristen sehen darin einen Angriff auf das Persönlichkeitsrecht.

Um einen Job zu bekommen, lassen Bewerber einiges über sich ergehen. Sie zeigen in Rollenspielen, wie teamfähig sie sind, lassen ihre Intelligenz messen und vergleichen ihre Persönlichkeit im Bewerbungsgespräch auf Wunsch mit Automarken.

Einige Firmen testen Bewerber jetzt auch darauf, ob sie am Arbeitsplatz einst klauen werden. Branchen wie die Gastronomie oder der Einzelhandel sind auf die Ehrlichkeit der Mitarbeiter angewiesen.

Psychologen von der TU Darmstadt und der Universität Regensburg haben den Test entwickelt, etwa 60 deutsche Unternehmen setzen ihn bereits ein. In einem Kommentar schreiben die Wissenschaftler selbst, dass es womöglich "abenteuerlich" klinge, einem Menschen anmerken zu wollen, ob er einmal seinen Arbeitgeber bestehlen wird.

Indiz: Unordentlichkeit

Trotzdem kommen die Psychologen zu dem Ergebnis, dass eben dies möglich ist. Denn sie haben beobachtet, dass integere Mitarbeiter sich in Haltungen und Persönlichkeitsmerkmalen von solchen unterscheiden, die zum Klauen neigen: Wer stiehlt, ist den Ergebnissen zufolge zum einen weniger gewissenhaft und glaubt zum anderen, dass Stehlen am Arbeitsplatz ein verbreitetes und deshalb normales Verhalten sei. Auf dieser Beobachtung basiert der Test.

Bewerber bekommen 69 Aussagen vorgelegt und kreuzen auf einer Skala an, welchen sie zustimmen und welche sie ablehnen. Einige Aussagen beziehen sich direkt aufs Klauen, zum Beispiel: "Dinge, die in der Firma lange Zeit einfach so herumliegen, darf man auch mitnehmen."

Aussagen zur Ordnungsliebe sollen klären, wie gewissenhaft ein Bewerber ist. Aussagen wie diese prüfen Ansichten: "Einige Firmen bezahlen ihre Mitarbeiter so schlecht, dass sie sich nicht wundern müssen, wenn gestohlen wird."

Trickser fliegen auf

Blöd, wer hier zustimmt? Ganz so leicht ist es nicht, im Test zu schummeln. Die Psychologen haben einen Mechanismus eingebaut, der Trickser auffliegen lässt. "Wenn ein Bewerber zum Beispiel immer neutral antwortet, schlägt das System Alarm", sagt Jens Hoffmann von der TU Darmstadt, der den Test mit entwickelt hat.