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Arbeitsmarkt:Ende der Warteschleife

Der Berufseinstieg für junge Akademiker war lange nicht mehr so einfach wie heute. In Dax-Unternehmen haben sogar Geisteswissenschaftler eine Chance.

Gefunden werden statt bewerben: Davon träumen Absolventen, die sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. 50 000 von ihnen haben ihre Lebensläufe und Profile auf der Internet-Plattform Absolventa.de, über die sich Unternehmen bei Absolventen bewerben, eingestellt. Die Aussichten auf Erfolg sind gut: Personaler aus 358 Firmen haben in den vergangenen drei Monaten 5000 Anfragen gestartet.

Absolventen, ap

Absolventen: Der Arbeitsmarkt für Akademiker ist vielversprechend.

(Foto: Foto: dpa)

Ob in studentischen Job-Portalen oder auf Karrieremessen: Der neue, aktive Kurs der Personalverantwortlichen zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt für Akademiker entspannt. "Gerade kleine und mittelständische Unternehmen melden uns, dass die Rekrutierung zum Beispiel von Ingenieuren und IT-Fachkräften zunehmend schwierig wird", sagt Pascal Tilgner, einer der drei Geschäftsführer von Absolventa. Der Fachkräftemangel beginnt, sich zugunsten der Hochschulabgänger auszuwirken.

Arbeitsrechtlichen Warteschleife

Der Berufseinstieg für junge Akademiker war wohl lange nicht mehr so einfach wie heute. Dafür spricht auch die Statistik der Bundesagentur für Arbeit: So sind in den vergangenen zehn Jahren die absoluten Zahlen der arbeitslosen Akademiker kontinuierlich zurückgegangen. Auch ihr prozentualer Anteil am gesamten Arbeitsmarkt ist von 5,7 Prozent im Jahr 2004 auf 4,2 Prozent im Jahr 2007 gesunken.

Dabei machten noch im März erschreckende Zahlen die Runde: Das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes) hatte 2600 Berufsanfänger zwischen 18 und 34 Jahren befragt, wie es um ihre Arbeitssituation bestellt ist. Jeder vierte gab an, sich nach Berufausbildung oder Studium noch immer in der arbeitsrechtlichen Warteschleife zu befinden und zwischen befristeten Jobs, Leiharbeit, Praktika oder Arbeitslosigkeit zu wechseln.

Fuß in der Tür

So dramatisch ist die Lage bei den Akademikern nicht, vermelden die Wissenschaftler der Hochschul-Informations-System (HIS) GmbH. Nach deren Erkenntnissen hat die "Generation Praktikum" meist schon den Fuß in der Tür zu einem festen Job. So sind knapp drei Viertel der Fachhochschulabsolventen ein halbes Jahr nach Ende des Praktikums nach ihrem Studienabschluss regulär beschäftigt. Bei den Abgängern der Universitäten liegt dieser Wert nur bei knapp der Hälfte.

Das heißt aber nicht, dass sie auf dem Arbeitsmarkt eine geringere Chance haben. Vielmehr gehen 13 Prozent nach dem Studium in ein Referendariat und zehn Prozent nehmen das Studium wieder auf, so zum Beispiel Bachelor-Absolventen."Viele sind im Zwiespalt zwischen Berufstätigkeit und einem Masterstudiengang", sagt Annemarie Engelsdorfer vom Hochschulteam des Arbeitsamtes München. Nach einem kurzen Ausflug in die Arbeitswelt entscheiden sie sich für eine höhere Qualifikation.

Schlechte Karten im Sozialwesen

Spätestens fünf Jahre nach dem Abschluss ist die Durststrecke der Jobsuche überwunden, glauben die HIS-Forscher. Sie fanden mit ihrer aktuellen Absolventenstudie heraus, dass von den Abgängern des Jahrgangs 2000/01 ingesamt 90 Prozent der Fachhochschulabsolventen und 85 Prozent der Universitätsabsolventen eine feste Stelle gefunden haben. Wie lange die Suchphase dauert, entscheidet oft das Studienfach. Bei Absoventa.de zum Beispiel werden in erster Linie Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure, außerdem Mathematiker und Naturwissenschaftler gesucht.

Das deckt sich mit den Zahlen der HIS-Studie: Absolventen der wirtschaftswissenschaftlichen Fachrichtungen und der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Natur- sowie Technikwissenschaften) erreichen eine Beschäftigungsquote von 90 bis 97 Prozent. Weniger gut sieht es hingegen bei den Biologen und Architekten, im Sozialwesen oder bei den Magister-Abschlüssen aus. Sie kommen nur auf eine Erwerbsquote von 60 bis 70 Prozent. Die Statistik deckt sich mit den Erfahrungen der Berater: "Die Geisteswissenschaftler tun sich schwerer, weil hier keine spezifische Nachfrage besteht", sagt Engelsdorfer. Sie müssten sich vom Fachlichen lösen und mittels praktischer Erfahrung ihre Nische finden. Zwangsläufig trifft sie das Schicksal einer längeren Suchphase und eines geringeren Einkommens.

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