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Genitalverstümmelung:Warum wird Frauen so etwas angetan?

Manche Frauen sprechen im Zimmer von Cornelia Strunz also tatsächlich zum ersten Mal in ihrem Leben über die Verstümmelung. Das sind schwierige Momente. "Da weine ich manchmal mit", sagt die Chirurgin. Häufig übernachtet sie sogar in ihrem Sprechzimmer, um gegebenenfalls für ihre Patientinnen da zu sein. Die Frauen vertrauen ihr.

Warum aber wird den Frauen so etwas überhaupt angetan? Die Begründungen sind immer gleich: Die Mädchen sollen "rein" sein, ihre Libido und ihr Temperament sollen kontrolliert werden. Eine unbeschnittene Frau gilt als nicht vermittelbar, egal ob die Familie in Afrika, Asien oder Europa lebt. Diese Gemeinschaften von der Grenzüberschreitung durch das Ritual zu überzeugen ist schwer. Organisationen wie Mama Afrika in Berlin oder Stop Mutilation in Düsseldorf leisten vor Ort Aufklärungsarbeit und bieten Umschulungen für Beschneiderinnen an. Aber der Prozess ist langwierig.

Gedächtnisverlust ist häufiges Zeichen des Traumas

Naserian war zwölf Jahre alt, als sie beschnitten wurde. Ihre Eltern hatten sich ein paar Jahre vor ihrer Beschneidung getrennt und die Mutter war mit den Kindern in ihre Heimat nach Ngong, westlich der Hauptstadt Nairobi, zurückgegangen. Für den Eingriff brachte ihre Mutter sie und ihre Schwester sogar in ein Krankenhaus. Sie gingen zu Fuß, erinnert sich Naserian.

"Im Krankenhaus bekam ich eine Betäubung, aber meine Mutter hatte nicht genug Geld für eine richtige. Es tat schrecklich weh. Danach sind wir wieder nach Hause gegangen. Ich konnte gar nicht richtig laufen", sagt sie. Das ist alles, was sie über diesen Tag sagen möchte. Vielleicht erinnert sie auch nicht an mehr. Gedächtnisverlust ist ein häufiges Zeichen der Traumatisierung.

Doch Naserian und ihre Schwester haben die Beschneidung zumindest überlebt - sie hatten Glück im Unglück, weil ihre Mutter sie in ein Krankenhaus in der Stadt brachte. Auf dem Land finden die Beschneidungen ohne jede medizinische Betreuung statt. Die Beschneiderinnen oder Hebammen benutzen Rasierklingen, Messer, Scheren und sogar Glasscherben für die Prozedur. Genäht wird die Wunde mit Bindfäden, gedrillten Tierdärmen, als Nadeln dienen Dornen des Akazienbaums.