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US-Marine:Die Hakenkreuz-Basis

Aus der Luft gesehen gleicht ein Gebäude-Komplex der amerikanischen Marine einem überdimensionierten Hakenkreuz. Jetzt muss das Gebäude vogelperspektivisch überarbeitet werden.

Elmar Jung

Manchmal hilft es, die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten. Oder noch besser: aus der Vogelperspektive. Im Fall der Marinebasis in Coronado, Kalifornien, zeigt sich jedoch ein eher unschönes Bild.

Der 40 Jahre alte Komplex der US-Navy ist in Zeiten von Google Earth zu einer Belastung für Coronado geworden.

(Foto: Foto: Google Earth)

Aus der Luft gesehen nämlich gleicht ein Gebäude-Komplex im Zentrum des Stützpunktes an der Pazifikküste einem überdimensionierten Hakenkreuz. Die Ähnlichkeit ist so augenfällig, dass die US-Marine jetzt für 600.000 Dollar (425.000 Euro) die vier L-förmigen Häuser ein bisschen entpolitisieren will.

Die Einsicht kommt spät. Nach einem Bericht der Los Angeles Times war den Verantwortlichen des Marinestützpunktes bereits kurz nach dem Spatenstich 1967 aufgefallen, dass der Entwurf des Architekten John Mock einen ungünstigen Grundriss aufweist.

Da das Hakenkreuz aber vom Boden aus nicht zu erkennen war und wegen einer Flugverbotszone das Gelände für zivile Passagierflugzeuge gesperrt ist, unternahm man nichts. Fast vier Jahrzehnte blieb das Hakenkreuz der Öffentlichkeit verborgen.

Erst Satelliten- und Luftaufnahmen von Google Earth gaben das Nazi-Symbol preis. Wem das Hakenkreuz zuerst aufgefallen ist, lässt sich nicht sagen.

Jedoch ist überliefert, dass Dave von Kleist, ein Radiomoderator im US-Bundesstaat Missouri, im Frühjahr vergangenen Jahres den meisten Wirbel veranstaltete und lautstark Änderungen an dem Gebäude-Komplex verlangte.

An den damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld höchstpersönlich soll er geschrieben haben - ohne Erfolg. Die Verantwortlichen der Marinebasis in Coronado reagierten uneinsichtig. Es werde keine Änderungen geben, so lange das Gebäude seinen Zweck erfülle, hieß es in einem Schreiben vom August 2006. Das Thema schien erledigt.

Bewegung kam erst wieder in die Sache, als die San Diego Jewish Times darüber berichtete und die Anti-Defamation League, die gegen Diskriminierung kämpft, daraufhin den Druck auf die US-Marine erhöhte.

Schließlich erklärte sich das Militär bereit, Änderungen vorzunehmen. Solarzellen auf dem Dach und frische Begrünung sollen das Nazi-Symbol so verfremden, dass man es nicht mehr erkennt lassen.

Scott Sutherland, zuständig für den Unterhalt von Militärgebäuden im Südwesten der USA, zur Los Angeles Times: "Wir wollen wirklich nicht mit so etwas Abscheulichem wie dem Hakenkreuz in Verbindung gebracht werden."

© SZ vom 29.9.2007
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