US-Großbanken:Citigroup liebäugelt mit Morgan Stanley

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Gerüchte um Kooperation: Die angeschlagenen US-Banken Citigroup und Morgan Stanley wollen angeblich ihr Wertpapierhandelsgeschäft verschmelzen.

Die US-Banken Citigroup und Morgan Stanley prüfen Kreisen zufolge eine Verschmelzung ihrer Wertpapierhandelsgeschäfte. Die Gespräche seien "ernsthaft und fortgeschritten", sagte eine mit der Situation vertraute Person am Freitag.

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Im Zuge der Finanzkrise haben Citigroup und Morgan Stanley hohe Verluste verbucht und bereits Milliarden aus dem Rettungsfonds der US-Regierung erhalten. Allein die Citigroup hatte sich Ende 2008 eine Finanzspritze von 45 Milliarden Dollar vom Staat besorgt.

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Demnach könnte Morgan Stanley zunächst zwei bis drei Milliarden Dollar oder noch mehr für eine Kontrollmehrheit von 51 Prozent an Citigroups Brokersparte Smith Barney zahlen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könne Morgan Stanley dann die restlichen Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen von der Citigroup übernehmen. Beide Firmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Ein gemeinsames Brokerhaus könnte ohne Abgänge mehr als 23.000 Finanzberater beschäftigen und damit eines der weltweit größten Wertpapier-Provisionsgeschäfte sein. Die stark angeschlagene Citigroup würde mit der Transaktion ihre Kapitaldecke stärken. Morgan Stanley könnte durch das Geschäft seine Einnahmequellen diversifizieren. Zudem könnten beide Geldhäuser dadurch Kosten sparen.

Wegen der möglichen Vorteile dränge auch die US-Notenbank Federal Reserve die beiden Institute zu einem Geschäft, berichtete der Fernsehsender CNBC am späten Freitagabend. Sowohl die Citigroup als auch Morgan Stanley haben im Zuge der Finanzkrise hohe Verluste verbucht und bereits Milliarden aus dem Rettungsfonds der US-Regierung erhalten. Allein die Citigroup hatte sich Ende 2008 eine Finanzspritze von 45 Milliarden Dollar vom Staat besorgt.

Rubin kündigt Rücktritt an

Neben der geplanten Allianz mit Morgan Stanley im Handelsbereich erwägt die Citigroup Kreisen zufolge auch seine problematischen Wertpapiere in eine separate Sparte auszugliedern. Auch in der deutschen Finanzbranche wurden zuletzt die Rufe nach einer sogenannten "Bad Bank" lauter, um die Vertrauenskrise im Interbankenhandel zu überwinden. Es gibt Überlegungen, die Risikoaktiva der Banken an zentraler Stelle abzuliefern. Im Bundesfinanzministerium stößt der Vorschlag auf Skepsis.

Kurz vor dem Bekanntwerden der Gespräche mit Morgan Stanley hatte Citigroups Top-Berater Robert Rubin seinen Rücktritt angekündigt. Der frühere US-Finanzminister war zuletzt wiederholt für die Ergebnisse seiner Arbeit bei Citigroup kritisiert worden. Er war bereits seit 1999 für die Bank tätig. Seinen Direktoriumssitz will der 70-Jährige aber noch bis zur nächsten Hauptversammlung behalten. Rubin war der 70. Finanzminister der USA während Bill Clintons erster und zweiter Amtsperiode. Danach war er für die Demokraten als wirtschaftspolitischer Berater tätig.

Auch der Stuhl des Direktoriumsvorsitzenden Win Bischoff wackelt. Wie die New York Times berichtete, erwägen die Direktoren ihn möglicherweise schon in den kommenden Tagen durch den ehemaligen Verwaltungsratschef von Time Warner, Richard Parsons, zu ersetzen.

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