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US-Banken:Goldman Sachs macht Milliardengewinn

Hoffnungsschimmer in der Krise: Die US-Bank Goldman Sachs schreibt wieder schwarze Zahlen - und Experten hoffen auf einen Aufschwung für die gesamte Branche.

Die US-Großbank Goldman Sachs hat inmitten der Rezession einen unerwartet hohen Gewinn gemacht und plant eine milliardenschwere Kapitalerhöhung zur Rückzahlung von Staatshilfen.

Das Gebäude der Investmentbank Goldman Sachs in New York. Die US-Investmentbank macht wieder Gewinne.

(Foto: Foto: dpa)

Das bislang schon eher glimpflich durch die Finanzkrise gekommene Geldinstitut zog die Bekanntgabe seiner Quartalszahlen überraschend um einen Tag vor und wies dabei am Montag nach US-Börsenschluss einen Gewinn von 1,66 Milliarden Dollar aus. Allerdings gab die Bank zugleich einen Verlust von einer Milliarde Dollar für den Dezember 2008 bekannt. Der Monat ist aufgrund einer Umstellung des Bilanzierungszeitraums weder in den Zahlen zum vierten Quartal 2008 noch in denen zum ersten Quartal 2009 enthalten. Zur Begründung verweis das Geldhaus auf Verluste im Handels- und Investmentgeschäft.

Analysten äußerten sich dennoch überwiegend erfreut über die Geschäftszahlen. "Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Finanzsektor das Schlimmste hinter sich hat", sagte etwa Keith Wirtz von Fifth Third Asset Management. Michael James von Wedbush Morgan verwies allerdings darauf, dass Goldman am Montag keinen Ausblick für die kommenden Monate vorlegte.

Aktie fällt

Der Kurs der Goldman-Aktie verlor im nachbörslichen Handel 1,8 Prozent. Allerdings hatten die Papiere im regulären Handel 4,7 Prozent auf 130,15 Dollar zugelegt, was Analysten auf die Erwartung vom guter Zahlen zurückgeführt hatten.

Pro Aktie verdiente Goldman Sachs den Angaben zufolge im abgelaufenen Quartal 3,39 Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen von 1,49 Dollar deutlich. Die Bank führte die guten Zahlen unter anderem auf hohe Handelsaktivitäten seiner Kunden in den Bereichen festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohstoffe zurück.

Goldman hat die Finanz- und Kreditmarktkrise bereits in der Vergangenheit besser überstanden als die meisten Rivalen und seit Mitte 2007 lediglich in einem Quartal Verluste ausgewiesen.

Glücksfall für Geldhäuser

Die aktuellen Zahlen von Goldman sind nicht mit denen aus dem Quartal des Vorjahres vergleichbar, weil die Bank ebenso wie der Rivale Morgan Stanley in diesem Jahr sein Quartale umstellt und sie mit den Kalender-Quartalen in Einklang bringt.

So endete das erste Quartal des Vorjahres am 29. Februar und dieses am 27. März. Analysten werten die Umstellung als Glücksfall für die Geldhäuser. "Der Dezember bietet ein ganz seltene Möglichkeit sowohl für Goldman Sachs als auch für Morgan Stanley", sagt der Analyst Brad Hintz von Sanford Bernstein. "Ein einzelner Monat, ohne jede Möglichkeit zum Vergleich mit irgendeinem anderen Monat - niemand von uns wird jemals wissen, was sie alles in diesen Monat hineingepackt haben. Das ist eine Sache, von der jeder Finanzchef träumt."

Das Institut teilte zudem mit, über die Ausgabe neuer Aktien fünf Milliarden Dollar einnehmen zu wollen. Das Geld solle zusammen mit zusätzlichen Einnahmen genutzt werden, um die zehn Milliarden Dollar zurückzuzahlen, die die Bank an Staatshilfen von der Regierung unter dem TARP-Programm erhalten hat. Goldman hatte bereits angekündigt, die Hilfen so schnell wie möglich wieder zurückzuzahlen, um aus dem Programm aussteigen zu können.

Damit will sich die Bank aus der Kontrolle und von den Beschränkungen befreien, die für Banken mit der Inanspruchnahme der Staatshilfen verbunden sind. Analysten werteten die Ankündigung von Goldman am Montag daher positiv.

Größter Sekundärfonds aller Zeiten

Unterdessen hat die Bank mitgeteilt, für einen Sekundärfonds 5,5 Milliarden Dollar eingeworben zu haben. Ziel sei es, bereits im Umlauf befindliche private Beteiligungen an Vermögenswerten aufzukaufen, hatte das Unternehmen am Montag mitgeteilt.

Diese sind häufig mit einem deutlichen Preisnachlass zu haben. Die Spanne der angestrebten Transaktionen reiche von einer Million bis zu einer Milliarde Dollar, hieß es. Der Fonds wird den Namen GS Vintage Fund V tragen. Nach Angaben des Wall Street Journal handelt es sich um den größten Sekundärfonds aller Zeiten.

© sueddeutsche.de/Reuters/gdo/tob
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